Foto Poker: Wann fragt man erst um ein Foto und wann rennt Mann einfach?

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Als Fotograf steht man oft vor der Frage, ob man für eine Portraitaufnahme einfach mal spontan abdrückt und den einzigartigen Moment einfängt oder ob man höflicherweise zuerst fragt und dann dem vergangenen Moment hinterher jagt… Wie geht Ihr bei diesem Foto-Poker vor? Zuerst fragen oder abdrücken und schnell davon rennen?

Im Oktober 2011 waren wir auf einer faszinierenden Rundreise in Apulien, im Absatz des Stiefels, will man Italien einmal als Schuhwerk verstehen…

Die Masseria Cimino war unsere erste Masseria, ein zu einem stimmungsvollen Hotel umgebautes Landgut.

Terrasse der Masseria Cimino im Abendlicht

Masseria Cimino im Abendlicht

Und weil es eben so romantisch ausgelegt ist, war denn auch ein britisches Fototeam und ihr Model im Hof unterwegs, um Fotos für das Hochzeitsmagazin Condé Nast Wedding zu schiessen.

Masseria Cimino Bildstrecke

In diesem Fall fand ich es angebracht, zuerst zu fragen, ob auch ich ein paar Fotos machen dürfe.

Brautmodel in der Masseria Cimino

Brautmodel in der Masseria Cimino

Also ging ich stracks zum Fotografen und fragte ihn, ob ich auch mal kurz auf den Auslöser drücken dürfe. Er schaute mich etwas verdutzt an und meinte, ich solle doch das Model fragen. Hm, dachte ich mir, eigenartig, aber whatever…, also rein in sein Bild gestanden und das Model gefragt. Mit einem etwas gelangweilten Schlafzimmerblick wies sie mich an, doch die Produzentin dort hinten zu fragen.

Hochzeitsmodel

Hm, dachte ich mir, das wird ja immer besser… Also rüber zur Produzentin gestochen und sie gefragt, ob ich jetzt auch mal darf, mein innerliches Verwundernis immer hinter einem verschmitzten Lächeln versteckend. Mann weiss ja wie’s geht…

Und siehe da, die Produzentin durfte entscheiden und erlaubte mir das Fotografieren unter der Bedingung, dass ich die Fotos nicht Twittere…?!

Nun muss man sich vorstellen, dass Apulien jetzt nicht gerade die Gegend ist mit der dichtesten Internet-Abdeckung weltweit und dass es mit Facebook, Google+, Flickr und all diesen exotischen Social-Media Diensten genügend Alternativen gibt, Fotos zum besten zu geben. Aber fein, wenn das die Bedingung ist fürs fotografieren, be my guest… Also diesen Artikel bitte nicht Twittern ;-)

 

Bildstrecke Hochzeitsmodel

Bildstrecke Hochzeitsmodel

Ostuni Foto-Shooting

Lustigerweise trafen wir das Foto-Team am nächsten Tag ein paar Dörfer weiter in Ostuni, einem der malerischen weissen Dörfer Apuliens. Diesmal wusste ich ja, dass ich einfach nicht Twittern darf, also knipste ich keck drauflos…

Brautmodel vor der Kirche in Ostuni

Brautmodel vor der Kirche in Ostuni

Wie macht Ihr das selber?

Wann knipst Ihr einfach drauflos und wann fragt Ihr erst?

Ich glaube nicht, dass diese Jungs in Marrakesch so „natürlich“ hinzukriegen wären, hätte ich erst gefragt…

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Bezeichnenderweise hat mich dann ein anderer Verkäufer, der mich beobachtet hatte, angerempelt und gemeint, ob ich denn nicht zuerst um Erlaubnis bitte, bevor ich ein Foto mache…

… ich habe irgendwas gebrummelt, an das ich mich nicht erinnern kann und bin etwas unfein einfach davongestapft.

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Über unsere Reiseblogger

Walter Schärer ist leidenschaftlicher Vielreisender, Taucher, Golfer, Fotograf und Reiseblogger für reisememo.ch. Und Philosoph und Humorist und für Acryl auf Leinwand hat er auch eine Passion. Und über Gourmet-Restaurants schreibt er neuerdings auch noch... Walter ist Mitglied im Swiss Travelwriters Club.

4 Kommentare

  1. Ich denke es kommt erstmal stark darauf an welche Verwendung das Foto dann nachher findet – also in diesem Fall wàƒ¤re jetzt ja die Veràƒ¶ffentlichung auf einem privaten Blog. Ich bin mir zwar daràƒ¼ber im klaren, dass die Persàƒ¶nlichkeitsrechte vorsehen, dass man vorher um Erlaubnis fragen muss – jedoch ist ja hier keine kommerzielle Nutzung bzw. Wertschàƒ¶pfung vorhanden – lediglich die Werbeads auf der Seite kàƒ¶nnten zu einer Geldforderung fàƒ¼hren.. ist doch aber eher unwahrscheinlich.

    • Ja, sehe ich auch so. Ginge es um ein Buch, in dem ich Portraitaufnahmen vermarkten wollte, màƒ¼sste ich wohl um alle Einwilligungen bitten.

      Und die Einnahmen eines privaten Reiseblogs sind meist eher auf der vernachlàƒ¤ssigbaren Seiteà¢â‚¬¦ Und dann kommen die meisten Besucher auch noch àƒ¼ber Google und nicht àƒ¼ber Google Bilder auf den Blog.

  2. Tja, man geht in jedem Fall das Risiko ein, dass einen hinterher jemand verklagt. Wobei das auch jetzt noch besteht, es sei denn, Sie haben sich das ganze auch noch schriftlich geben lassen. Bis dahin sind meist viele Motive fàƒ¼r immer dahin, fàƒ¼rchte ich.

    • Ich habe mir noch nie eine schriftliche Bestàƒ¤tigung geben lassen, da ich die Fotos nicht kommerziell verwende. Bei Werbeaufnahmen oder àƒ¤hnlich wàƒ¤re das wohl unumgàƒ¤nglich.

      Meist gebe ich fotografierten Personen meine Visitenkarte, so dass sie ein „Vetorecht“ ausàƒ¼ben kàƒ¶nnen, wenn ihnen die Fotos auf dem Blog nicht gefallen. Dann làƒ¶sche ich die Fotos einfach.
      Bisher ist das erst ein einziges Mal vorgekommen…

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