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Miss Zermatt mit schwarzer Nase — bei Julen Tradition

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Auch Zermatt hat seine Miss-Wahl! Allerdings sind hier die Kandidatinnen nicht gross und schlank, sondern klein und pummelig. Makellose Beine sind aber auch in diesem Wettkampf gefragt, jedoch mit Flecken!

Als wir den grosszügigen Stall der Schwarznasenschafe der Familie Julen betreten, höre ich lauter „Määähs“ und das Herumtrampeln der lustigen Schafe. Mit ihren schwarzen Nasen und den zum Teil rastaähnlichen Locken wirken sie einfach nur niedlich. Es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass Zermatts Maskottchen ein kleines Schwarznasenschaf namens Wolli ist.

Paul-Marc Julen mit einem Schwarznasenschaf

Paul-Marc Julen mit 2 Monate altem Schwarznasenschaf

Neugierig schauen uns die Schafe an und kommen sogar an die Abschrankung, um uns zu begrüssen. So zutraulich sind sie.

Sichtlich stolz auf die grösste Schwarznasenschafzucht auf der ganzen Welt erklärt uns Paul-Marc Julen so einiges über seine Tiere. Wir erfahren zum Beispiel, dass sich die Schafe im Sommer auf der Alp auf über 2’400 m ü. M. völlig frei und nicht eingezäunt bewegen. Das liegt daran, dass die Schwarznasenschafe ein sehr gutes Ortsgedächtnis haben. Diesen Sinn nutzen sie, um immer dort zu bleiben, wo man ihnen als letztes das «Gläck» – eine Mischung aus Salz und hartem Brot – zu Fressen gab.

Schwarznasenschaf

Zutrauliches Schwarznasenschaf

Wolli, zeig her deine Beine!

Für die Zucht der Schwarznasenschafe müssen ganz bestimmte Kriterien erfüllt sein. So müsse das Schaf nebst einer schwarzen Nase – logisch – auch gleichmässige Flecken an den Beinen und Füssen haben. Und die weiblichen Tiere haben einen schwarzen Schwanzflecken. Und selbstverständlich müssen auch die Kandidatinnen der „Miss Zermatt“ Wahl diesen Anforderungen gerecht werden, wenn sie jeweils am zweiten Wochenende im September zur Miss-Wahl antreten. In diesem Wettbewerb wird das schönste Schwarznasenschaf des Jahres gekürt…

Die amtierende Miss Zermatt weilt natürlich in Julens Schafherde. Ehrensache.

Schwarznasenschafe mit gefleckten Beinen

Schwarznasenschafe mit gefleckten Hinterläufen

Das sprichwörtliche schwarze Schaf in der Herde ist übrigens wichtig für eine grössere Diversität. Ohne solche Ausreisser degeneriert die Rasse über die Generationen. Entsprechend wacht Julen mit Argusaugen über die lustvolle „Tätigkeit“ seiner Böcke: Er lässt sie nur zu bestimmten Zeiten zu einem ausgewählten Teil der Weibchen. Deshalb dürfen die Böcke im Sommer auch nicht auf die Alp. Eine Geburtenkontrolle und damit eine gelungene Zucht wären sonst nicht möglich.

Ein Bock dieser Rasse deckt übrigens pro Saison bis zu 35 Schafe! Mamma mia – fast wie die Kaninchen! Einfach im Schafspelz…

Wanderung zur Schwarznasenschafherde auf der Alp

Im Sommer laden Vater Paul und Sohn Paul-Marc jeweils zur Wanderung auf die Alp ein, wo sie mit den Gästen ihre Schwarznasenschafe besuchen. Das sei dann immer ein spezielles Erlebnis – wie dieses Foto der Schafe vor der imposanten Matterhorn-Nordwand belegt.

Schwarznasenschafe vor dem Matterhorn gemäss Paul Julen

Schwarznasenschafe vor dem Matterhorn auf der Stafelalp
© Paul Julen

Paul zeigt uns später in seinem heimeligen Restaurant Schäferstübli mit funkelnden Augen ein Foto seiner Schafherde. Allmählich verstehen wir, was er und seine Familie wohl für diese Tiere empfinden.

Auch Instagrammerin Rayana Gasparotto kann den Schafen kaum widerstehen ;-)

Instagrammerin Rayana Gasparotto mit Schwarznasenschaf

Instagrammerin Rayana Gasparotto mit Schwarznasenschaf

Schwarznasenschafe — Tradition Julen

Zur Tradition Julen gehören nebst den 300 Schwarznasenschafen 3 Hotels und 6 Gastbetriebe. Paul und Paul-Marc möchten Tourismus und Landwirtschaft verbinden: So wird zum Beispiel alles, was die Julens auf ihrem Hof produzieren, in den eigenen neun Gastbetrieben wiederverwertet. Das Fleisch serviert Paul in den Restaurants, die Schafswolle wird zu Decken, Duvets und Kissen für die Hotels verarbeitet, und die Hörner und Felle dienen als Dekoration.

Eletktromobil von Tradition Julen

Das Schwarznasen-Elektromobil von Tradition Julen

Restaurant Schäferstube Zermatt

Schwarznasenschaf-Spezialitäten vom Schäferstube Grill

Und weil das alles nicht genug ist, produziert der traditionsreiche Familienbetrieb seit 2015 mit ihrer Biogasanlage Energie mit dem Zermatter Abfall! Aber das ist eine andere Geschichte…

Herzlichen Dank an…

Paul-Marc und Paul Julen für die interessanten Informationen über die Schwarznasenzucht und die Bewirtung im Restaurant Schäferstübli!

Vielen Dank auch an Corinne Ulrich von Zermatt Tourismus für die Organisation und die Einladung.

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About Author

Katja Birrer liebt es, neue Länder und Kulturen zu entdecken. Als Fachspezialistin in der Unternehmenskommunikation gehört Schreiben zu ihrem Alltag. Sie koordiniert und organisiert nebenbei die zahlreichen Reisen und Ausflüge von reisememo.ch und ist Mitglied im Swiss Travelwriters Club.

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