Holzflue-Rundweg ab Ennenda: Herbstwanderung über dem Nebelmeer
«Unten grau, oben blau» – im Oktober ist das im Mittelland fast schon ein Naturgesetz. Und genau darauf setzen wir!
Ich (Katja) mag graue Tage nämlich überhaupt nicht. Ich lechze nach Sonne wie eine Eidechse nach dem warmen Stein. Also nichts wie raus aus dem Nebel, hinauf auf den Äugsten oberhalb von Ennenda im Glarnerland.
Die Luftseilbahn ab Ennenda bringt uns in wenigen Minuten aus dem Grau hinaus.
Oben angekommen: Sonne. Blauer Himmel und ein Panorama mit Tödi und Glärnisch mit Vrenelis Gärtli.
Und unter uns ein Nebelmeer, das aussieht, als hätte jemand das ganze Tal mit Watte gefüllt. Eidechse zufrieden.
Der Holzflue-Rundweg ist für Nebeltage wie gemacht: kurz, abwechslungsreich und ein perfekter Halbtagesausflug.
Den Bahnhof von Ennenda erreichst du mit dem Glarnersprinter (S25) ab Pfäffikon SZ (oder auch ab Zürich) in kürzester Zeit.
Walter und ich mögen die vielen Farben des Herbstes und dieses milde, goldene Licht, das die Landschaft im November so weich zeichnet. Im höheren Glarnerland haben sie beides im Überfluss.
Holzflue-Rundweg auf einen Blick
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Distanz | ca. 4 km (Rundweg) |
| Auf- und Abstieg | je ca. 390 bis 420 Höhenmeter, je nach Quelle |
| Wanderzeit | 1 h 50 min bis 2 h laut Wanderportalen, wir brauchen knapp 2,5 h (mit vielen Foto-Stopps) |
| Schwierigkeit | Bergwanderweg, T2 |
| Start und Ziel | Bergstation der Äugstenbahn, Bärenboden (1446 m ü. M.) |
| Höchster Punkt | rund 1800 m ü. M. |
| Markierung | Wanderland-Route Nr. 821 «Holzflue-Rundweg» |
| Beste Zeit | Juni bis Oktober empfohlen, im November schliesst die Luftseilbahn für Wartungsarbeiten |
| Anreise | Zug bis Ennenda, dann Äugstenbahn (Fahrt telefonisch anmelden) |
Die Zahlen unterscheiden sich je nach Portal leicht, etwa auf WegWandern und bei Schweiz Tourismus. Alles in allem bleibt es ein gemütlicher Halbtagesausflug.
Anreise: mit dem ÖV nach Ennenda und hinauf mit der Äugstenbahn
Ennenda liegt bei Glarus und ist mit dem ÖV (S25) ab Rapperswil (oder auch ab Zürich) schnell erreicht. Vom Bahnhof Ennenda sind es nur wenige Gehminuten zur Talstation der Äugstenbahn. Wir brauchen rund 5 Minuten, auf anderen Portalen steht bis zu 10 Minuten.
Die Luftseilbahn fährt regelmässig. Aber Achtung: Die Fahrt muss telefonisch angemeldet werden! Die Gondel bietet nur Platz für 8 Personen, spontan auftauchen und einsteigen ist also nicht.
Den aktuellen Preis und alle Infos zum Fahrbetrieb findest du auf der Website der Äugstenbahn.
Parkplätze: Direkt bei der Bahn gibt es nur wenige Parkplätze. Wenn du mit dem Auto kommst, stellst du es besser beim Bahnhof Ennenda ab. Dort hat es genügend Parkmöglichkeiten, und die Talstation erreichst du in 5 Gehminuten.
Die Wanderung: Waldreservat, Welterbe und Herbstlicht
Von der Bergstation Bärenboden geht es zuerst in rund 10 Minuten zur Äugstenhütte.
Von dort führt der Weg über das Wildhüeterhüttli und Alt Stafel in den Äugstenwald, weiter zur Alp Beglingen und zurück zur Hütte.
Die Route ist als «Holzflue-Rundweg» markiert, mit grünen Klebern und den Wanderland-Schildern.
Unterwegs wanderst du durch einen Teil des UNESCO-Welterbes Tektonikarena Sardona und durch das Waldreservat Äugstenwald-Holzflue. Und genau dieses Waldreservat hat uns fasziniert!
Das hat uns die Kamera aus der Hand gelockt:
- Ein ehemaliger Tannenwald, den die Borkenkäfer weitgehend dahingerafft haben. Grotesk und trotzdem wunderschön.
- Riesige Felsblöcke, die im Wald verstreut herumliegen.
- Der Blick hinunter ins Glarnerland, mit Nebelmeer im Tal.
- Das milde Herbstlicht, das alles in weiche Farben taucht.
Deshalb liess sich auch die Zeit nicht anhalten: Offiziell sind für die Runde knapp 2 Stunden angegeben, wir brauchen fast 2,5 Stunden. Schuld sind die vielen Foto-Stopps. (Wir bestreiten nichts.)
Wichtig: Der Weg führt auch durch das eidgenössische Jagdbanngebiet Schilt. Bleib unbedingt auf den markierten Wegen.
Einkehr und Tipps: Morgenfrost, glatte Passagen und eine geschlossene Hütte
Die Äugstenhütte eignet sich bestens für einen Lunch oder Imbiss. Allerdings nur bis Ende Oktober, denn dann ist die Saison vorbei. Bei uns war sie bereits geschlossen.
Weil es im Herbst am Morgen oft Frost hat, kann der Weg nass sein, und einzelne Passagen sind rutschig!
Walter erfährt das am eigenen Leib: Als er auf einem etwas steileren Abschnitt ins Rutschen gerät, bleibt er nur mittels Akrobatik-Kunststück auf den Beinen. Mit händeringenden Armen und weit aufgerissenen Augen fängt er sich und verhindert einen Sturz in den Schlamm. Phuh, nochmal gutgegangen.
Mein Tipp: Zieh Wanderschuhe mit gutem Profil an und plane lieber etwas mehr Zeit ein, vor allem, wenn du früh am Tag unterwegs bist.
Fazit: Nebelflucht mit Welterbe-Bonus
Der Holzflue-Rundweg ist eine kurze, abwechslungsreiche Herbstwanderung, die du in einem halben Tag erledigst.
Sie ist ideal, wenn das Mittelland unter der Nebeldecke steckt und du Sonne brauchst.
Das Waldreservat Äugstenwald-Holzflue und der Blick auf das Nebelmeer lohnen jeden Foto-Stopp (und davon gibt es viele).
