Dreibündenstein Panoramaweg: Aussichtswanderung über Chur – von Feldis nach Brambrüesch
Es gibt Wanderungen, bei denen die halbe Freude im Planen liegt: Welche Bahn nimmt man zuerst, wo lässt man das Auto stehen, und wie kommt man am Ende wieder dorthin zurück?
Der Dreibündenstein Panoramaweg über Chur ist so einer – ein Bilderbuch-Höhenweg mit rundum Bergpanorama, den man dank Gondeln, Seilbahn und Sessellift beinahe ganz ohne Schweiss geniessen könnte. Beinahe.
Der Chur-Wandertipp auf einen Blick
Route: Dreibündenstein Panoramaweg, ausgeschildert als SchweizMobil Wanderland Route 739 (lokale Route)
- Distanz: 12,3 km
- Wanderzeit: ca. 4 Std. 10 Min. – mit Sessellift Feldis–Mutta rund 3 Std. 30 Min.
- Höhenmeter: ca. 640 m Aufstieg / 770 m Abstieg (auf der offiziellen Route Brambrüesch → Feldis)
- Höchster Punkt: 2’170 m beim Dreibündenstein
- Schwierigkeit/Kondition: einfache Wanderung, gutes Schuhwerk erforderlich
- Anreise / Parkplatz: Wir haben das Auto auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz bei der Talstation der Brambrüesch-Bahn in Chur abgestellt.
- Rundfahrtbillet: Die Churer Bergbahnen bieten ein praktisches Rundfahrtbillet an, das Bergfahrt Chur–Brambrüesch, die Talfahrt Feldis–Rhäzüns und die Rückreise Rhäzüns–Chur (Stadtbus bzw. Rhätische Bahn) umfasst.
- Beste Zeit: Sommer bis Herbst, sobald die Bahnen und der Sessellift in Betrieb sind. Wir waren am 2. August unterwegs.
Warum wir die Wanderroute «verkehrt herum» empfehlen
Offiziell führt die Route 739 von Brambrüesch über den Dreibündenstein nach Feldis.
Wir packen die Wanderung aber genau andersherum an: Das Auto steht ja schon in Chur bei der Brambrüesch-Talstation.
Also fährst du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln via Bahnhof Chur nach Rhäzüns, von dort mit der Luftseilbahn hinauf nach Feldis und von da wanderst du los.
Bei der Rückkehr siehst du dein Auto oder die Bushaltestelle bereits von weit oben und musst nicht in Feldis auf ein freies Plätzchen in der kleinen Luftseilbahn zirkeln.
Und weil der grösste Anstieg dieser Wanderung gleich zu Beginn lauern würde, zieren wir uns nicht lange und nehmen den Sessellift von Feldis hinauf Richtung Mutta.
Wer sagt denn, dass man sich jeden Höhenmeter selber erarbeiten muss? Eben, wir auch nicht.
Eine unverhoffte Begegnung auf dem Weg zur Sesselbahn
Kaum in Feldis angekommen, spielt uns der Zufall einen seiner schönsten Streiche: Auf dem Weg zur Talstation der Sesselbahn kommt uns – im gestreckten Jogging-Tempo – niemand Geringeres als Vera entgegen, Walters Nichte.
Sie verbrachte gerade ein paar Tage in Feldis und drehte ihre Laufrunde. Man sieht sich immer zweimal im Leben, sagt man ja – aber ausgerechnet hier oben, mitten im fernen Graubünden?
Kurzes Hallo, ein Lachen, ein «Was macht ihr denn hier?!» – und schon spurtet sie weiter. Die Berge sind manchmal ein erstaunlich kleines Dorf :-)
Oben angekommen: Panorama, so weit das Auge reicht
Ab der Mutta Bergstation entfaltet sich, wofür dieser Weg seinen Namen trägt: Der Dreibündenstein markiert historisch das Zusammentreffen der drei alten Bünde – Grauer Bund, Gotteshausbund und Zehngerichtebund – aus denen der Kanton Graubünden hervorging.
Entsprechend weit reicht der Blick: ein Bergpanorama, das sich Runde um Runde dreht, mit Gipfeln in alle Himmelsrichtungen. Prägnant stechen u.a. die beiden ikonischen Spitzen des Feldberger Calanda und Haldensteiner Calanda in den Bündner Himmel.
Der Weg selbst rollt danach angenehm dahin, mehr Höhenweg als Kletterei.
Du geniesst, staunst, bleibst stehen – und suchst ab und zu die Wegweiser. Denn, ganz ehrlich: Besonders gut ausgeschildert finden wir die Route nicht.
Trotz offizieller Signalisation 739 müssen wir an der einen oder anderen Verzweigung kurz überlegen, wo es denn nun langgeht.
Einmal müssen wir ein kurzes Stück sogar zurückwandern, weil wir falsch liegen. Das sorgt bei Walter jeweils für besonders gute Stimmung, besonders wenn ich die Karte in der Hand halte…
Ein Blick auf die Wanderkarte (oder die SchweizMobil-App) schadet also nicht.
Unterwegs lohnt sich die eine oder andere Einkehr – ob bei Kaffee und Kuchen oder bei einer ganz unverhofften Überraschung am Wegrand.
Wir beginnen die Wanderung jedenfalls mit einer Pause in der rustikalen Skihütte Feldis. Das frische Brot ist schon von weitem zu riechen!
Der Abstecher zum Gedenkstein «The Lady Patricia»
Wir wählen die Wegvariante über die Gedenkstätte «The Lady Patricia» anstatt oben über den Dreibündenstein – und das war der stillste, eindrücklichste Moment des Tages.
Der Gedenkstein auf rund 2’000 Metern erinnert an ein Stück Kriegsgeschichte mitten in der Bündner Bergwelt.
Am 16. November 1944 stürzte hier unterhalb des Dreibündensteins ein amerikanischer Bomber vom Typ Consolidated B-24J Liberator ab.
Die «Lady Patricia» war auf dem Rückflug von einem Bombeneinsatz über München zu ihrer Basis in Süditalien, allerdings schwer beschädigt durch deutsches Flakfeuer.
Das Bemerkenswerte: Alle zwölf Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm retten und landeten unverletzt; anschliessend wurden sie in Adelboden interniert. Das hätte auch schlimmer laufen können…
Ihren Namen trägt die Maschine nach der kleinen Tochter des Stammpiloten Daryl R. Mason. Der war an jenem Tag krank, weshalb Ersatzpilot Doyle R. Smith am Steuerknüppel sass.
Zum 60. Jahrestag wurde der Gedenkstein 2004 eingeweiht, in Anwesenheit ebendieser Patricia, die dem Flugzeug einst ihren Namen gab.
Du stehst da oben, blickst über die ruhige Weite und versuchst dir vorzustellen, wie an diesem friedlichen Fleck einmal zwölf Fallschirme vom Himmel schwebten und ein dröhnender Zweiter Weltkrieg-Bomber mit zwei brennenden Motoren an dieser Stelle in den Berg kracht!
Hinunter nach Brambrüesch – und mit der Luftseilbahn zum Auto
Der letzte Abschnitt führt gemächlich hinab auf die Hochebene von Brambrüesch, den Hausberg von Chur.
Und weil wir die Runde ja rückwärts gewandert sind, endet sie nicht mit einer Talfahrt per Sessellift nach Feldis, sondern oben auf dem Plateau.
Von dort geht es mit der Brambrüesch-Bahn hinunter nach Chur – genau dorthin, wo du am Morgen dein Auto parkierst. Oder mit dem Bus 11 in wenigen Minuten zurück zum Bahnhof Chur fährst.
Fazit
Der Dreibündenstein Panoramaweg ist eine dieser Bündner Wanderungen, die sich ganz nach dem eigenen Geschmack dosieren lassen: mit Sessellift für die faulen Meter, mit Abstecher zur «Lady Patricia» für die nachdenklichen.
Das Panorama liefert von der ersten bis zur letzten Minute.
Nur beim Wegweiser-Suchen musst du etwas Geduld mitbringen – und vielleicht, wenn du Glück oder Unglück hast, joggt dir unterwegs sogar die eigene Verwandtschaft entgegen.
Wir hatten Glück ;-)
