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Spuk auf Schloss Schauenstein — im Schatten Caminadas

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Schloss Schauenstein im bündnerischen Fürstenau bildet die Kulisse für die spektakulären Kochkünste von Andreas Caminada. Was weniger bekannt ist: Im Gourmet-Restaurant würde gern ein Anderer die Kochlöffel schwingen. Das wollte ich genauer wissen…

Auf der Hinfahrt zum Schloss Schauenstein im Domleschg kommen wir ob all den Bündner Schlössern und Ruinen ins grübeln, ob es in Schloss Schauenstein wohl auch spukt und es ein ausgewachsenes Schlossgespenst gibt? Wie in so vielen anderen Schlössern?

Wikipedia belehrt uns noch auf der Autobahn, dass Schloss Schauenstein auf die Cousins Rudolf und Johann Rudolf von Schauenstein zurückgeht und auf das Jahr 1670. Oder zumindest der Name. Denn das Schloss gab es schon länger im Besitz des Bischofs von Chur.

Wir machen uns also auf eine gehörige Portion Geschichte gefasst, als wir beim vielgerühmten Sternekoch Andreas Caminada zum Mittagessen eintreffen. Und auf etwas Mittelalter-Groove, denn die Fotos auf der Schauenstein-Website glänzen mit hölzern gestreiften Fauteuils alter Prägung.

Restaurant Schloss Schauenstein

Beim Betreten des Schlossgartens machen wir verwundert Bekanntschaft mit allerlei mysteriösen Skulpturen: Sie machen ganz den Anschein, als stünden sie im Zusammenhang mit dem Schlossgeist. Wir sind auf jeden Fall schon total im Film „Das kleine Schlossgespenst“.

Schloss Schauenstein mit Gartenskulptur

Schloss Schauenstein mit gespenstischer Skulptur

Plastik zweier Männer mit stilisierten Mistgabeln im Schlossgarten

Plastik im Schlossgarten

Vorsichtig um uns lugend nehmen wir die Treppen in den Piano Nobile, schielen durch die massige Eingangstüre und werden umgehend herzlich in Empfang genommen, bevor die Türe hinter uns ins Schloss fällt.

Soweit kein Schreckgespenst, alles gut: Uns fällt ein Stein vom Herzen! Wahrscheinlich haben wir uns etwas zu sehr in die Geisterstory hineingesteigert.

Man geleitet uns in einen der beiden Restaurantsäle. Das Dekor ist vornehm dunkel und elegant. Sommelière Anna Jung erkundigt sich erst nach Wasser, bevor sie später den Schlüssel zum Schlossweinkeller für uns herumdreht.

Ich erkundige mich bei ihr, wer denn heute koche. Als vielgereister Gourmetblogger weiss ich um die vielbeschäftigten Starköche mit mehreren Restaurants: Die können ja unmöglich überall gleichzeitig sein und lassen jeweils ihre Sous-Chefs wirken. Sie scheint die Frage nicht zu verstehen und gibt nur zurück, dass die Küchenbrigade ganz normal mit 13 Mann bestückt sei.

Ich insistiere nicht, bin ja eben erst angekommen, aber ich werde schon noch herausfinden, wer heute für uns hinter dem Herd gewirkt hat. Wahrscheinlich ja nicht der Schlossgeist?

In schneller Abfolge geht es jetzt los mit allerlei Grüssen aus der Küche. Damit hatten wir gerechnet, als wir uns für das 4-Gang Menu entscheiden und uns nicht vom 5-Gänger verführen lassen.

Ich verliere trotzdem schnell die Übersicht über die verschiedenen Apéro-Häppchen aller Couleur und Temperatur und bin dankbar, dass ausser der Bedienung auch Tischkärtchen erklären, was sich in all den wundersamen Formen und Schäumchen versteckt.

Dann folgen zwei Gänge an Amuse-Bouches. Beide angenehm klein, so dass man sich den Appetit für den 4-Gänger nicht ruiniert. Weil der beginnt ja erst noch!

Offensichtlich haben die Mannen in der Küche ihr Handwerk im Griff: Nicht nur kommen die hochdekorierten Teller mit dem Geschmack von 19 Gault Millau und 3 Michelin Sternen auf den Tisch, auch der Takt ist perfekt auf uns abgestimmt!

Entrée im Schloss Schauenstein

Entrée im Schloss Schauenstein

Wasserflasche mit reflektierenden Weingläsern

Wasserflasche und ihre Weingläser

Paprika Tartelette zum Cremant 2014 aus der Bündner Herrschaft. Blanc de Blancs Brut - Weissburgunder aus der Magnum

Paprika Tartelette zum Cremant 2014 aus der Bündner Herrschaft
Im Hintergrund: Entenleber im Lebkuchen (Das geht? Und wie!)

Apérohäppchen mit Taco serviert auf Stein

Taco mit Pastrami-Crème, Karotte, Lauch und Gurke

Amuse-Bouche 1: Kürbis - Dörrbirne an Cicorino Rosso

Ankündigung des nächsten Gangs: Amuse-Bouche 1

Erstes Amuse Bouche mit Kürbis und Dörrbirne

Besagtes erstes Amuse Bouche mit Kürbis und Dörrbirne

Zweiter Restaurant Saal

Zweiter Restaurant Saal

Der lange Schatten des Andreas Caminada

Die Vor- und Hauptspeisen munden ausservorzüglich. Wie sie genau schmecken, ist bei Foodblogger David Schnapp von Das Filet nachzulesen. Der beschreibt das kulinarisch präziser als ich…

Nach so viel Esskunst erkundige ich mich noch vor dem Kaffee und seinen Pralinen, ob ich auch in der Küche ein paar Schnappschüsse knipsen darf.

Es nimmt mich ja schon brutal wunder, wer denn heute Caminadas Menus umgesetzt hat!

Doch dann — bevor ich mich erheben kann — steht er da!
Mitten im Raum.
Kochsuperstar Andreas Caminada!
Top-50 der Welt.
Höchstpersönlich!

Katja verliert kurz die Fassung, renkt sich dann aber einigermassen schnell wieder ein, als er uns am Tisch begrüsst.

Und so trifft es sich, dass ich den Schlossherrn persönlich nach dem spukenden Schlossgespenst frage. Natürlich nur zum müden Scherz, ist ja klar.

Aber Caminada gibt umgehend zurück:

Unser Schlossgeist? Pantaléon?
Klar gibt’s den!

Schluck?!

Mit verstohlenem Blick über seine Schulter und einem Flüstern drückt er uns vertraulich sein neustes Projekt in die Hand, „Caminada Documenta“: Ein zweimal im Jahr erscheinendes Rezeptmagazin.

Eilig schlage ich nach. Und tatsächlich! Schriftsteller Gion Mathias Cavelty hat dem 500-jährigen Schlossgeist Pantaléon nachgespürt. Ein beklemmendes Gefühl beschleicht mich, als ich lese, dass Pantaléon stinksauer ist auf Caminada und es satt hat, in seinem Schatten zu stehen. Angeblich sägt er an Caminadas Thron, um selber eines Tages wieder die Kochlöffel im Schloss zu schwingen.

Na, wenn da der Haussegen nur nicht schief hängt!

Küche und Werte von Schloss Schauenstein: Team, Respekt, Verantwortung, Ehrlichkeit, Freude

Küche und Werte von Schloss Schauenstein:
Team, Respekt, Verantwortung, Ehrlichkeit, Freude!

Sous Chef Ollie Schuiling erklärt die Küche von Andreas Caminada

Sous Chef Ollie Schuiling erklärt

Andreas Caminada mit Walter Schärer und Rezeptmagazin "Documenta"

Andreas Caminada legt Walter das neue Rezeptmagazin „Caminada Documenta“ nahe

Aber schreiten wir jetzt endlich zu Kaffee und Pralinen! Mit Vorteil im Obergeschoss entweder in der Bar oder im Fumoir, je nach Rauchpräferenz.

Farbiges Décor in der Lounge

Farbiges Décor in der Lounge

Stilvolle Leuchte und Cheminée in der Lounge

Stilvolle Leuchte in der Lounge

Smokers Lounge mit Cheminée

Smokers Lounge

Humidor der Smokers Lounge

Reflektierender Humidor

Kerzendeko im Fumoir

Kerzendeko im Fumoir

René Salzmann serviert Friandises zum Kaffee

René Salzmann serviert Friandises zum Espresso Macchiato

„Ich bin auch ein Hotel“

Wir sind bewusst zum Mittagessen aufgekreuzt in der Meinung, dann mehr schlemmen zu können als am Abend. Da wussten wir aber zwei Dinge nicht: Erstens frönt man hier nicht der Völlerei, sondern fühlt sich auch nach unzähligen Gängen noch leicht wie eine Feder. Und zweitens verdienen die Hotelzimmer nicht mein vermeintliches Prädikat „hölzern gestreift“, sondern vielmehr „grosszügige Designersuiten“!

Wie sich Pantaléon hier unter dem Schlossdach eingenistet hat, ist schlicht sensationell für einen 500-jährigen Kerl!

Sofa im Eingangsbereich

Sofa im Eingangsbereich

Treppenhaus Schloss Schauenstein

Treppenhaus im Schloss

Treppenhaus Schloss Schauenstein mit Äpfeln und Büchern

Mystisches Treppenhaus

Das Zimmer Feuer

Es geht zwar auch klassisch: Das Zimmer Feuer…

Suite Schloss Schauenstein

Weitere Schloss Suite

Zimmer Kastanie im Schloss Schauenstein

… aber eben auch hochmodern: Zimmer Kastanie

Zimmer Wasser im Schloss Schauenstein

Zimmer Wasser — Schauder! Links im Glas schaut mir Pantaléon über die Schulter?

Badezimmer Turmsuite Schloss Schauenstein

Badezimmer in der Turmsuite. Mit Aufgang zu Pantaléons Turmzimmer?

Turmsuite Schloss Schauenstein

Wohn- und Schlafzimmer der Turmsuite

Schlafzimmer Turmsuite Schloss Schauenstein

Wohn- und Schlafzimmer der Turmsuite

 

Bravo, bien joué!

Adresse

Wer sich auch auf Gespensterjagd begeben will:

Schloss Schauenstein Restaurant Hotel
Schlossgass 77
CH-7414 Fürstenau

Telefon: +41 81 632 10 80
E-Mail: [email protected]
Reservation: schauenstein.ch

Auszeichnung The World’s 50 Best Restaurants

Preise

Die Menupreise beginnen pro Person bei CHF 200.- für einen 3-Gänger, der 6-Gänger kommt auf CHF 261.- zu stehen.
Die Zimmerpreise beginnen bei CHF 370.- werktags und CHF 390.- am Wochenende pro Zimmer und Nacht, die Suiten sind ab 580.-, respektive 600.- zu haben. Die luftige Turmsuite kostet 660.- oder 680.-, das zusätzliche Turmzimmer — wahrscheinlich zu teilen mit Pantaléon — weitere 180.-

Das Frühstück vom nächsten Morgen schlägt mit 42.- pro Person zu Buche.

Öffnungszeiten

Mittag: Donnerstag bis Sonntag ab 12.00 Uhr
Abend: Mittwoch bis Sonntag ab 19.00 Uhr

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Über unsere Reiseblogger

Walter Schärer ist leidenschaftlicher Vielreisender, Taucher, Golfer, Fotograf und Reiseblogger für reisememo.ch. Und Philosoph und Humorist und für Acryl auf Leinwand hat er auch eine Passion. Und über Gourmet-Restaurants schreibt er neuerdings auch noch... Walter ist Mitglied im Swiss Travelwriters Club.

2 Kommentare

  1. Gioconda Schärer am

    Super Bericht. Man merkt, dass jeder Punkt gut verdient ist. Schöne Räume, appetitliches Essen. Und ein Schloss Gespenst dazu! Kein Wunder das Ort ist soooo berühmt.

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