Wandern durch den Dschungel Costa Ricas
Willst du Costa Ricas Tiere und Landschaften wirklich erleben, musst du zu Fuss los. Am besten auf Dschungelwanderung.
Vom Auto aus erkennst du kein Faultier in den Baumkronen, kein Kapuzineräffchen im Strandgebüsch und schon gar keinen Kolibri im Nebelwald.
Die spektakulären Sehenswürdigkeiten dieses Landes sind allesamt erwanderbar – und genau das machen wir auf unserer 2.5-wöchigen Rundreise.
Costa Ricas Dschungel besteht je nach Region aus einer von vier Waldarten:
- Tropischer Regenwald
- Tropischer Trockenwald
- Nebelwald
- Mangrovenwald
Besonders schön sind die Wanderungen im tropischen Regenwald an der Pazifikküste und im Nebelwald von Monteverde.
Dieser Beitrag folgt unserer Route von Süden nach Norden.
Wenn du nur drei Wanderungen machen kannst
- Arenal 1968 Park – für die einzigartige Lavafeld-Regenwald-Kombination
- Monteverde Continental Divide Trail – für Atmosphäre und Biodiversität
- Untere Nauyaca-Wasserfälle – für das spektakuläre Naturbecken zum Baden
Den Rest dieses Beitrags sortieren wir nach unserer Reiseroute.
Hast du wenig Zeit, scrollst du direkt zu den drei genannten Sehenswürdigkeiten Arenal 1968 Park, Monteverde oder Nauyaca.
Im Outdoor-Zentrum Uvita (Pazifikküste Süd)
Uvita ist unser Basislager für drei Tage.
Von hier aus erreichst du alle Highlights der südlichen Pazifikküste in maximal einer Stunde Autofahrt.
Nationalpark Manuel Antonio
Manuel Antonio Nationalpark: Kannst du machen, musst du nicht.
Der bekannteste Nationalpark Costa Ricas ist gleichzeitig der am stärksten überlaufene.
Anfahrt und Ankunft: Bei der letzten Kurve vor dem Park drängen dich Leute mit Fahnen und Westen von der Strasse.
Wir wollen den Park auf eigene Faust begehen. Das sei angeblich nicht möglich, wir müssten zwingend einen Guide nehmen, wird uns ultimativ beschieden.
Eingeschüchtert willigen wir ein, dass jemand bei uns im Mietwagen zusteigt und uns ein paar hundert Meter weiter vorne einen bewachten Parkplatz zuweist. Immerhin gleich beim offiziellen Eingangstor zum Manuel Antonio Nationalpark. Auch ein Guide wird uns zugewiesen und abkassiert.
Tipp: Buche Tickets vorab über die offizielle SINAC-Plattform, dann fällt das ganze Theater am Eingang weg. Wenn du standhaft dagegenhälst.
Der Park ist dienstags geschlossen, Öffnungszeiten 7:00 bis 16:00.
Im Park: Die Wege sind kurz und gut ausgebaut, oft auf erhöhten Holzstegen. Festes Schuhwerk brauchst du nicht, einfache Turnschuhe genügen.
Es gibt drei Affenarten zu bestaunen, Faultiere, Krabben sowie den handgrossen, leuchtend türkisblauen Blauen Morphofalter.
Von allen gibt es nur wenige, und meist fotografierst du durch das Teleskop des Guides. Er ist eh der Einzige, der im dichten Dschungel etwas erkennt.
Die meisten Kapuzineraffen tummeln sich am weissen Sandstrand. Wohlwissend, dass wer Selfies macht, bestimmt auch Essbares im Rucksack mitbringt.
Lass deinen Rucksack niemals unbeaufsichtigt – die Affen sind schneller, als du denkst.
Highlight: Der Cathedral Point, eine etwa einstündige Rundwanderung zur bewaldeten Landzunge.
Hier gehst du auf eigene Faust los und es sind kaum Touristengruppen unterwegs. Cathedral Point bietet moosbewachsene Bäume, Meerblicke und mehr Affen als auf den Hauptwegen des Nationalparks.
Strände im Park: Playa Manuel Antonio und Playa Espadilla Sur sind das eigentliche Argument für den Besuch.
Feiner Sand, türkisfarbenes Wasser, direkt dahinter Regenwald. Du gehst ins Meer, drehst dich um und siehst Palmen, Lianen, Dschungel. Und vielleicht einen Kapuzineraffen, der deinen Snack aus dem Rucksack klaut…
Musst du nicht gesehen haben: Für mich bleibt Manuel Antonio trotz seiner Bekanntheit eine Enttäuschung. Suchst du einsame Wildnis, bist du in Monteverde oder anderen Nationalparks besser aufgehoben.
Marino Ballena Nationalpark
Hingehen wegen der Walfischflosse, bleiben für die Wale.
Der Park trägt seinen Namen Ballena (Walfisch) nicht von ungefähr: Neben den Buckelwalen vor der Küste von Uvita formt die Sandbank bei Ebbe eine perfekte Walfischflosse, die du zu Fuss bis weit hinaus abläufst.
Und wenn die Flut zurückkommt, schwappt das Wasser gleichzeitig von zwei Seiten heran. Ein eindrückliches Naturschauspiel: Du musst dich entsprechend beeilen, um trockenen Fusses zurück ans Ufer zu kommen…
Walbeobachtung: Je nach Saison ziehen Buckelwale aus der Arktis (Dezember bis April) oder aus der Antarktis (Juli bis Oktober) in die warme Bucht von Uvita, um zu gebären.
Wir buchen eine Tour über GetYourGuide. Nach kurzem Warten entdeckt der geübte Guide plötzlich zwei Buckelwale, die immer wieder neben unserem Boot auftauchen.
Der Moment, als wir ihr Schnauben hören, ist magisch.
Praktisches:
- Eintritt Park: ca. 6 bis 7 USD
- Walbeobachtungstour: 70 bis 90 USD inkl. Trinkwasser und Wassermelone-Snack, Dauer 2 bis 3 Stunden
- Achtung: Beim Einsteigen ins Boot wirst du bis zu den Oberschenkeln nass. Passe deine Kleidungswahl entsprechend an.
Nauyaca-Wasserfälle - mehrstufiges Spektakel
Der untere Nauyaca Wasserfall ist der Star, dort wartet das beste Naturbecken Costa Ricas.
Anfahrt: Etwa 10 Minuten nördlich von Dominical. Die letzten Kilometer führen über eine holprige Schotterpiste durch den Dschungel – 4×4 sehr empfohlen.
Zwei Zugänge stehen zur Wahl:
- Nauyaca Waterfall Nature Park (USD 32): Schotterpiste-Anfahrt, weniger Besucher, Restaurant und Toiletten vor Ort. Unsere Wahl und Empfehlung.
- Don Lulo Park (USD 10 zu Fuss): Asphaltierte Anfahrt, günstiger, dafür voller.
Wanderung: Über 3,5 km gut ausgebauter Weg, teilweise im Schatten. Was bei der feucht-tropischen Hitze entscheidend ist.
Die Wege zu oberem und unterem Wasserfall sind gut beschildert.
Oberer Nauyaca Wasserfall: In der Trockenzeit ein einzelner mächtiger Wasserstrahl über eine breite Felswand. Imposant, aber kein Becken zum Baden.
Unterer Nauyaca Wasserfall: Eine spektakuläre breite Wasserwand (auch in der Trockenzeit) stürzt in ein grosses Naturbecken. Hier schwimmst du nach der schweisstreibenden Wanderung. Hier hat es mehr Besucher als am Oberen Nauyaca Wasserfall.
Reisetipps:
- Starte früh wegen der Hitze.
- Pack rutschfeste Badeschuhe ein – die Felsen am Becken sind glatt.
- Nutze den Shuttle zurück zum Parkplatz, wenn deine Beine schwer werden oder es gegen Mittag zu schwül-heiss wird.
Rund um das Städtchen La Fortuna (Norden)
La Fortuna selbst ist einfach und funktional. Touristen kommen wegen der Umgebung: Vulkan Arenal, Hängebrücken, Wasserfälle, Kaffeeplantagen. Und Luxushotels.
Wir bleiben vier Tage und müssen am Ende noch streichen, was wir nicht schaffen.
Arenal 1968 Park - Wandern auf Lavafeldern
Die abwechslungsreichste Wanderung der ganzen Reise.
Der Park trägt das Datum des grossen Vulkanausbruchs von 1968 im Namen.
Die Wege wechseln zwischen erkalteten Lavafeldern (offen, karg, surreal) und tropischem Regenwald (dicht, schattig, üppig). Erlebe zwei völlig verschiedene Landschaften auf einer Wanderung.
Praktisches:
- Eintritt: ca. 28 USD
- Buchung: arenal1968.com
- Dauer: 2 bis 3 Stunden je nach gewähltem Pfad
- Schuhwerk: zwingend fest, Lava ist scharfkantig und holprig
- Treppen: rund 500 Stufen bergauf und bergab
Der Vulkan selbst bleibt oft in Wolken verborgen. Die Wanderung ist trotzdem eines der eindrücklichsten Erlebnisse der ganzen Reise.
Am Schluss bietet ein Kiosk Erfrischungen mit Aussicht auf den Arenal. Falls er sich zeigt.
Mistico Park - Hängebrücken über Baumkronen
Du gehst nicht durch den Wald, du schwebst in den Baumkronen darüber.
Der Mistico Park wirkt am Anfang wie ein Touristenpark mit botanischem Garten.
Er entwickelt sich aber schnell zu einer ausgewachsenen Dschungel-Rundwanderung mit 16 Brücken, davon 6 Hängebrücken. Die höchste misst 55 Meter, die längste 97 Meter Spannweite.
Die Perspektiven von oben und teilweise unten auf den Regenwald gehören zu den besten der Region. Gegen Höhenangst helfen seitliche Netze, die Hängebrücken schaukeln aber relativ stark.
Praktisches:
- Eintritt Self-Guided: USD 32
- Buchung: misticopark.com
- Schuhwerk: festes Schuhwerk obligatorisch (wird beim Eingang kontrolliert)
- Optional: Guide für mehr Hintergrundwissen über Flora und Fauna
Tipp: Mistico Park und Arenal 1968 liegen in Sichtweite voneinander und lassen sich gut zu einem Tagesausflug kombinieren.
La Fortuna Wasserfall
70 Meter Naturschauspiel, das du dir mit 500 Treppenstufen verdienst.
Der Wasserfall stürzt 70 Meter in ein smaragdgrünes Becken. Der Abstieg über die Treppen ist steil. Der Aufstieg danach umso schweisstreibender.
Hast du Lust, schwimmst du im relativ kalten Wasser zweiten, kleineren Becken hinter dem Hauptbecken des Wasserfalls.
Praktisches:
- Eintritt: USD 20
- Buchung: cataratalafortuna.com
- Schuhwerk: rutschfeste Schuhe, plus Badesachen
- Zeitpunkt: früh morgens, weniger Besucher und aktivere Tiere
Belohnung: Danach ein Cortado (Espresso mit etwas Milchschaum) und ein Alfajor (Süssgebäck mit karamellisierter Kondensmilch) im schmucken Vita Café vis-à-vis des Eingangs zum Wasserfall.
Schokolade- und Kaffee-Tour von Don Juan
Pflichtprogramm bei Regenwetter, lohnt sich aber jederzeit.
Guide Jeremy gibt unterhaltsame und lehrreiche Führungen zum Anbau und zur Verarbeitung von Schokolade und Kaffee.
Das Beste: Du mahlst und knetest danach deine eigene Schokolade. Übung macht den Meister. Aber, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen: Meine Schokoladenmischung schmeckt nicht…
Die Arabica-Bohnen werden hier in La Fortuna zwar getrocknet und geröstet, angebaut aber im höher gelegenen Monteverde.
Praktisches:
- Kosten: rund USD 50
- Buchung: GetYourGuide oder direkt bei Don Juan
- Bonus: Tukane und gelegentlich Faultiere auf dem Plantagengelände
- Ideal: bei Regen, wenn Wanderungen unattraktiv sind
Tenorio Vulkan und Rio Celeste
Lange Anfahrt, aber der türkisblaue Fluss ist einzigartig.
Der Rio Celeste verdankt seinen Namen einem Naturphänomen: An einer bestimmten Stelle im Tenorio-Nationalpark vermischen sich zwei mineralhaltige Bäche, und der Fluss färbt sich dort in ein leuchtendes Türkisblau.
Darunter liegt der gleichnamige Wasserfall mit einem ebenso tiefblauen, kleinen See.
Wanderung: Der Weg führt am Wasserfall vorbei entlang des Flusses bis zum Färbungspunkt. Über sehr hohe Treppenstufen und wilde Pfade über Stock und Stein.
Achtung: Es ist keine Rundwanderung, du musst denselben Weg zurück.
Mein Planungsfehler: Wir laufen erst die Strecke am Fluss entlang, dann zum Wasserfall. Und stehen dort eine Stunde in der Schlange, um ihn von nahem zu sehen.
Tipp: Geh früh los und steche gleich zum Wasserfall hinunter. Erst danach machst du die Wanderung zum Rio Celeste.
Achtung Moskitos: Hier hat es übrigens viele stechfreudige Moskitos! Insektenschutz nicht vergessen. Dafür siehst du kleine, gut getarnte Schlangen (falls ein Guide gerade hinzeigt).
Im hügeligen und frischen Monteverde (Hochland)
Im Hochland von Monteverde auf rund 1500 Metern kann es gut 10 Grad kühler sein als an den Küsten.
Zusammen mit dem steifen Wind und dem häufigen Nieselregen fühlt es sich noch kühler an.
Eine leichte Regenjacke gehört in deinen Tagesrucksack, abends leistet eine leichte Daunenjacke gute Dienste.
Nebelwald von Monteverde
Der mystische Nebelwald ist eines der Highlights der ganzen Reise.
Der Nebelwald liegt auf der Kontinentalscheide zwischen Nord- und Südamerika. Auf nur 26 Quadratkilometern wachsen über 2’500 Pflanzenarten.
Die Farne sind riesig, die Bäume wachsen imposant ultrahoch in den feuchten Himmel, meist umgarnt von Bartflechten.
Wanderungen: Drei Trail-Optionen stehen zur Wahl. Wir wählen die längste, den Continental Divide Trail, und kommen in zwei Stunden durch gefühlt drei verschiedene Klimazonen mit mal dichtem, mal lichtem Nebelwald. Meist sind wir allein unterwegs, der Weg ist gut ausgeschildert.
Tiere: Kolibris. Ohne Guide erspähen wir keine weiteren Tiere…
Praktisches:
- Eintritt: USD 29
- Buchung: cloudforestmonteverde.com mit Zeitslot-System
- Pflicht: Regenjacke und feste Schuhe
- Tipp: früh starten, am Nachmittag wird es nebliger und voller
Nightwalk bei Santa Elena
Mit Guide siehst du nachts mehr als tagsüber alleine.
Der Nightwalk ist eine geführte Nachtwanderung von etwa 1,5 bis 2 Stunden.
Dein Guide leuchtet mit der Taschenlampe in die richtigen Ecken. Ohne dieses geschulte Auge siehst du schlicht nichts. In der Nacht sieht der Guide natürlich auch nichts, er weiss aber aus Erfahrung, wohin er leuchten muss.
Highlight: Skorpione fluoreszieren unter UV-Licht leuchtend türkis. Und Taranteln lassen ihrer Neugier freien Lauf, wenn du vor der richtigen kleinen Höhle mit einem Zweig herumstocherst.
Fürchtest du dich vor Spinnen und Dunkelheit, überwindest du das hier schnell. Zwangsläufig. Die Faszination siegt!
Fazit
Mich überrascht, wie leise es im tropischen Regenwald Costa Ricas ist, sowohl tagsüber als auch nachts. Nur selten hören wir einen Brüllaffen, eine Eule oder einen Specht.
Auch ist es nicht so, dass es von Papageien oder Kolibris wimmelt. Du siehst nur sporadisch Tiere.
Unsere Favoriten: Mir hat der mystische Nebelwald von Monteverde am besten gefallen. Katja fand die Rundwanderung auf den Lavafeldern des Arenal am beeindruckendsten.
Manuel Antonio fanden wir beide überschätzt. Suchst du Wildnis, fährst du nach Monteverde. Willst du eine Strand-Dschungel-Kombination, bist du im Manuel Antonio aber tatsächlich richtig.
Und falls dich dort ein Herr mit Weste anspricht, der dir einen Guide andrehen will, den du nicht gebucht hast: Du hast vorher online über SINAC gebucht und willst keinen Guide.
Sie sollen dich jetzt durchlassen!
