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Home»Italien»Rothko in Florenz: Bei dieser Kunstausstellung sehe ich rot – überall

Rothko in Florenz: Bei dieser Kunstausstellung sehe ich rot – überall

Walter SchärerBy Walter Schärer26. Juli 2026Updated:26. Juli 2026Keine Kommentare6 Mins Read
Vier grosse Ausstellungsplakate der Rothko-Ausstellung hängen an der Fassade des Palazzo Strozzi in Florenz.
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Zwei Farbrechtecke übereinander – dafür nach Florenz?! In die Stadt von Michelangelo und Da Vinci reisen, um moderne amerikanische Malerei anzuschauen? 

Katja stellt diese Fragen mit der ihr eigenen Mischung aus Ungeduld und ungläubigem Blick, als ich ein verlängertes Kunstwochenende in Florenz vorschlage.

Meine Antwort: Ja. Genau dafür. Denn einen Mark Rothko kann man nicht erklären, einen Rothko muss man erleben!

Walter Schärer lehnt mit verschränkten Armen an der Eingangsbeschilderung der Rothko-Ausstellung im Palazzo Strozzi in Florenz, neben einem grossformatigen abstrakten Gemälde in Rot, Schwarz und Grün
Der Palazzo Strozzi zeigte eine der bedeutendsten Rothko-Retrospektiven Italiens

Die Ausstellung: Rothko in Florenz im Palazzo Strozzi

Der Grund unserer Reise ist «Rothko in Florence» – die grösste Rothko-Retrospektive, die je in Italien gezeigt wurde.

Kuratiert von Elena Geuna und Christopher Rothko, dem Sohn des Künstlers, versammelt die Ausstellung über 70 Werke aus Sammlungen wie dem MoMA New York, der Tate Modern London und dem Centre Pompidou Paris.

Das Besondere: Die Ausstellung erstreckt sich über drei Orte.

Im Palazzo Strozzi hängt der Hauptteil, chronologisch von den figurativen Anfängen der 1930er-Jahre bis zu den ikonischen Farbfeldern.

Im Museo di San Marco hängen fünf Rothkos in den Mönchszellen – direkt neben den Fresken von Fra Angelico, die Rothko 1950 so faszinierten, dass er am nächsten Tag gleich nochmals hinging.

Und im Vestibül der Laurentianischen Bibliothek, das Michelangelo in den 1520er-Jahren entworfen hat, hängen zwei Studien zu den Seagram Murals.

Rothko stand 1950 in diesem engen, hohen Raum mit der wuchtigen Treppe – und war fasziniert, wie gezielt Michelangelo hier ein Gefühl beklemmender Enge erzeugt.

Mit seinen dunkelroten Seagram Murals wollte er exakt dieselbe Wirkung erzielen. Der beklemmende Effekt der düsteren Rothko-Bilder ist allerdings in der Londoner Tate Modern einprägsamer zu erleben: Dort musste ich erst mal absitzen, als ich in den entsprechenden Raum kam…

Aber auch die lebendigeren rot-gelb-orangen Bilder haben etwas: Die Rechtecke flirren, pulsieren und verschieben sich, je länger man schaut. Bei den übereinanderliegenden Farbschichten ist man sich manchmal nicht mehr sicher, welche vorne und welche hinten ist.

Ich verlasse das Museum jedenfalls einigermassen beduselt.

Anreise mit dem Zug – ein Omen in Orange-Rot

Die Anreise nach Florenz erfolgt bequemerweise im klimatisierten orange-roten Frecciarossa von Trenitalia. «Roter Pfeil» heisst das bei denen.

Aber wer genau hinschaut, sieht: Das ist kein Rot. Das ist Rothko-Orange!

Gleich bei der Ankunft versuche ich Katja auf die Kunstausstellung einzustimmen: Ist das nicht ein herrlich oranger Feuerlöscher?

Walter Schärer in weissem Hemd und grauen Shorts lehnt lässig an einer Säule auf dem Bahnsteig der Stazione Centrale in Mailand, neben ihm rote Feuerlöscher und ein schwarzes Gepäckstück, im Hintergrund ein roter Zug von Trenitalia
Walter posiert. Aber Katjas Begeisterung für Feuerlöscher hält sich in engen Grenzen. Auch für solche in Knallorange.

Rothko sah Fra Angelico, ich sah Trenitalia

Inspiration ist offenbar ansteckend. Rothko sah Fra Angelicos rote Fresken und malte fortan leuchtende Farbfelder.

Ich sehe Rothkos leuchtende Farbfelder und fotografiere fortan…

Wo ich hinschaue: Orange. Rot. Orangerot.

Der rote Linienbus mit Rothko-Beschriftung? Ein fahrendes Ausstellungsplakat.
Der rote Klappstuhl in der Bar? Eine Einladung.
Der Campari Spritz? Ein Farbfeld mit Strohhalm.

Ein weisses Strassenreinigungsfahrzeug der Firma Alia Servizi Ambientali steht hinter einem roten Linienbus mit der Aufschrift Rothko in Florence in einer engen Florentiner Gasse
Sogar die Busse sind hier orange-rot. Zufall?
Ein elegant gekleideter Mann im grünen Hemd und weissen Hosen sitzt auf einem Hocker vor einem Café in Florenz und schaut auf sein Smartphone
Der rote Klappstuhl: In jeder anderen Stadt ein Möbel. Nicht so in Florenz.
Ein aufgeschnittenes Panino mit dunkler Fleischfüllung auf einem Holzteller neben einem roten Sprudel-Getränk mit Strohhalm auf einem Terrassentisch des 25hours Hotels in Florenz
Campari Spritz oder «Red on Red»? Nach der Rothko-Ausstellung verschwimmen die Grenzen zwischen Apéro und Kunstbetrachtung.

Katja beobachtet diese Entwicklung mit wachsender Sorge:

«Du fotografierst einen Feuerlöscher?» – «Nein, ich fotografiere eine Komposition in Rot.» – «Es ist ein Feuerlöscher, Walter!»

Graue Wand mit rotem Feuerlöscher, Idrante-Schild, Fire-Glass-Schaukästen, Sprinkler-Alarm-Schild und rotem Leitungssystem im 25hours Hotel in Florenz
Feuerlöscher und Rohre: «Komposition in Rot», gefunden an der Garagenwand des 25hours. Katja besteht darauf, dass es sich um Brandschutz-Infrastruktur handelt.

Verschiedene Interessen, gleiche Farbe

Meine Motivierungsversuche bleiben erfolglos. Ich zeige Katja die schönsten orangen Feuerlöscher der Stadt und die dynamischsten rot-gelb-blauen Rennbemalungen der Florentiner Garagen. Die sind übrigens auch einengend, eine Raumwirkung, die Rothko bekanntlich schätzte.

Aber dann, am dritten Tag, geschieht es doch. Sie bleibt wie angewurzelt stehen. Ihr Blick: gefesselt. Ihre Haltung: angespannt. Vor ihr: eine Plakatwand. Orange, versteht sich.

Eine Frau in hellblauer Bluse und weisser Hose lehnt an einem Werbeplakat der Kosmetikmarke Kiko Milano an einer Bushaltestelle in Florenz
Katja vor ihrem persönlichen Rothko. Verschiedene Interessen, gleiche Farbwahrnehmung

Aber letztlich malt auch Katja mit Orange – in Schichten, versteht sich, ganz wie der Meister.

Welcome to Hell: Bei 35 Grad siehst du schnell mal rot

Katja bleibt standhaft. Zwei Farbrechtecke übereinander oder untereinander, mit oder ohne Museumswand drumherum, lassen sie kalt.

Womit wir bei der Temperatur wären. Mitte Juli in Florenz bedeutet: 35 Grad im Schatten, über 20 Grad in der Nacht. Ohne Klimaanlage geht da nichts. Oder nur sehr beschwerlich.

Bei dieser Hitze wird aus Farbfeld-Meditation schnell mal Farbfeld-Halluzination: Florenz im Hochsommer IST ein Rothko – flirrende, warme Farbfelder, in denen man sich verliert.

Die ehrlichste Ortsbeschreibung liefert deshalb die Garageneinfahrt des 25hours Hotels.

Über der Rampe hängt ein Banner in Rothko-Rot: «WELCOME TO HELL!!!».

Ein Mann mit Sonnenbrille und verschränkten Armen steht vor der Einfahrt des 25hours Hotelparkhauses in Florenz, über ihm ein grosses graues Banner mit roter Aufschrift «Welcome to Hell»
Walter im Eingang zur Hölle. Immerhin klimatisiert.
Eingang zum Garage Parking Borgo Ognissanti
Garage Borgo Ognissanti: Die Beschilderung ist klar, es ist ein Parking

Und das andere Florenz so?

Den Hintergrund zu (klimatisierten) Kunstausstellungen bieten der Duomo mit Brunelleschis Kuppel, der Ponte Vecchio im Nachmittagslicht oder die Aussicht vom Piazzale Michelangelo über die Dächer der Stadt.

Die kulinarische Grundversorgung sicherst du über Aperol Spritz, Schiacciata-Sandwiches, feine Fischteller vom Branzino (Wolfsbarsch) und Gelato von B.ICE in Borgo Ognissanti.

Nahaufnahme der rotbraunen Ziegelkuppel des Doms Santa Maria del Fiore in Florenz mit der charakteristischen grün-weiss-rosa Marmorfassade vor strahlend blauem Himmel
Der Duomo: weiss, grün, rosa – und damit verdächtig unorange. Trotzdem schön.
Blick auf den Ponte Vecchio über den Arno in Florenz mit seinen charakteristischen gelb-orangen Gebäuden auf der Brücke unter klarem blauem Himmel
Ponte Vecchio am Nachmittag. Im goldenen Licht des Arno schimmert sogar die Brücke... orange.
Panoramablick über die Dächer von Florenz mit der markanten rot-braunen Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore und dem Giotto-Campanile im Zentrum der Altstadt, dahinter bewaldete Hügel der Toskana
Blick vom Piazzale Michelangelo: Terracotta-Dächer als horizontale Farbfeld-Komposition.
Eine Hand hält einen weissen Gelato-Becher mit der Aufschrift B.ICE – il gelato di Borgognissanti, gefüllt mit cremigem hellem Glacé und einem Löffelstiel, im Hintergrund das Innere der Gelateria
Gelato von B.ICE: Bei 35 Grad ist schnelles Handeln angesagt.
Ein Bahnmitarbeiter in orangefarbener Warnweste steht auf dem Bahnsteig vor zwei roten und einem grün-blauen Trenitalia-Zug am Bahnhof Santa Maria Novella Florenz
Abschiedsbild mit Frecciarossa. Die Farbregie von Florenz arbeitet bis zur letzten Minute zuverlässig.

Rothko in Florence: Die wichtigsten Infos zur Ausstellung

Dauer: 14. März bis 23. August 2026 – die Zeit läuft also!

Orte: Palazzo Strozzi (Hauptausstellung), Museo di San Marco (Rothko neben Fra Angelico in den Mönchszellen), Vestibül der Biblioteca Medicea Laurenziana (Seagram-Studien im Michelangelo-Raum)

Kuratoren: Christopher Rothko (Sohn des Künstlers) und Elena Geuna

Umfang: Über 70 Werke, Leihgaben u.a. von MoMA, Metropolitan Museum, Tate, Centre Pompidou und National Gallery of Art

Tickets: Online-Reservation über palazzostrozzi.org empfohlen, besonders am Wochenende. [PREISE PRÜFEN/ERGÄNZEN]

Anreise nach Florenz mit dem Zug

Von Zürich aus erreicht man Florenz bequem mit einem Umstieg in Mailand: EuroCity nach Milano Centrale, dann Frecciarossa nach Firenze Santa Maria Novella.

Gesamtreisezeit rund 5,5 bis 6 Stunden.

Der Bahnhof Santa Maria Novella liegt mitten in der Stadt – vom Perron zum Palazzo Strozzi sind es keine 15 Gehminuten. [VERBINDUNG/PREISE PRÜFEN]

Hotels

  • 25hours Hotel Florenz, jung und frech. Mit lichtdurchflutetem Innenhof und höllischer Tiefgarage
  • St. Regis Florenz, gehoben und klassisch
  • The Excelsior, ein Luxury Collection Hotel, mit Rooftop Bar und Restaurant

Florenz im Juli: Tipps gegen die Hitze

  • Klimaanlage ist nicht verhandelbar. Bei 35 Grad tagsüber und Tropennächten über 20 Grad wird das Hotelzimmer ohne Kühlung zur Sauna. Vor der Buchung explizit prüfen – nicht jedes Altstadt-Hotel ist klimatisiert.
  • Früh raus: Zwischen 6 und 9 Uhr gehört die Stadt dir – angenehme Temperaturen, leere Gassen, und das Licht auf den Fassaden ist ohnehin am schönsten.
  • Museen als Klimaoasen: Die Rothko-Ausstellung ist klimatisiert. Kunstgenuss und Abkühlung lassen sich also bestens kombinieren – die Mittagshitze verbringst du am besten vor Farbfeldern statt auf Plätzen. Oder in der Siesta, wie die meisten anderen auch.
  • Gelato-Frequenz erhöhen: Italienische Gelaterien muss ich nicht separat empfehlen. Die sind eine Institution!

Und Du? Team Rothko oder Team Kiko? Erzähl uns in den Kommentaren, welche Ausstellung Dir zuletzt einen Filter installiert hat – und welche Farbe Dich seither verfolgt.

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Walter Schärer ist leidenschaftlicher Vielreisender, Taucher, Golfer, Fotograf und Reiseblogger für reisememo.ch. Und Philosoph und Humorist und für Acryl auf Leinwand hat er auch eine Passion. Und über Gourmet-Restaurants schreibt er neuerdings auch noch. Walter ist Mitglied bei den Swiss Travel Communicators STC.

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