Das Hochplateau der Alp Sellamatt bietet fantastische Ausblicke auf Churfirsten, Säntis und den Wildhauser Schafberg. Die Wanderung auf dem Sagenweg bietet eine Sammlung von 12 Toggenburger Sagen. Und die haben es in sich! Denn Teufel, Totschlag und Höllenhunde sind nichts für Zartbesaitete…

Reisememo
Toggenburger Sagenweg: Sellamatt via Thurtalerstofel, Wildmannlisloch und Zinggen zurück nach Sellamatt.
→ Distanz: 12 km
→ Wanderzeit: ca. 3 Stunden
→ Aufstieg: 250 hm / Abstieg: 250 hm
→ Schwierigkeit/Kondition: leicht T1
→ Einkehr: Berggasthäuser Sellamatt, Zinggen Pub oder einer der vielen Grillplätze

Winterwanderung: Schneeschuhwanderer vor den Churfirsten Brisi und Frümsel
Schneeschuhwanderer vor den Churfirsten Brisi und Frümsel

Die Alp Sellamatt erreichst Du vom Dorf Alt St. Johann mit der Sessel-Gondelbahn: Abwechslungsweise werden hier 4-er Sessel und Gondeln hochgehievt.

Die Bergstation mit dem Bergrestaurant Sellamatt befindet sich an der Nordflanke der sieben Churfirsten, dem Wahrzeichen des Toggenburgs.

Von links nach rechts sind dies der Hinterrugg, der Schibenstoll, der Zuestoll, der Brisi, der Frümsel und der Selun (Der Chäserrugg ist links hinter dem Hinterrugg versteckt).

V.l. die Churfirsten Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll, Brisi, Frümsel und Selun
V.l. die Churfirsten Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll, Brisi, Frümsel und Selun

Toggenburger Sagenweg auf der Alp Sellamatt

Der präparierte Winterwanderweg beginnt direkt bei der Bergstation. Die Route macht zwei Schlaufen und kann bei Bedarf um die Hälfte abgekürzt werden.

Im Winter sind für die Abkürzungen Schneeschuhe zu empfehlen: Mit blossen Winterstiefeln ist man auf dem präparierten Winterwanderweg besser aufgehoben und macht besser die ganze Schleife.

Katja und ich benötigen dafür 3 Stunden.

Aber Vorsicht: Im Winter sollte man nur bestehenden Spuren folgen! Denn die vielen Karstlöcher sind nur teilweise unter dem Schnee sichtbar. Im Winter 2020 ist ein Schneeschuhwanderer tödlich in so einem Loch verunglückt.

Route des Sagenwegs auf der Alp Sellamatt im Toggenburg
Bei der einfachen Wanderung liegt die Herzfrequenz bei «Einfach» bis «Fettverbrennung»

Der ausgeschilderte Sagenweg lässt 12 schaurige Mythen und Legenden aus dem Toggenburger Sagenschatz aufleben. Ich kriege jetzt noch Gänsehaut…

Weiter unten in diesem Artikel zeige ich eine Übersicht der 12 Sagen in der «Wintermärchenlandschaft».

Pinkfarbener Winterwegweiser Zinggen der Sagenweg Winterwanderung
Wegweiser Zinggen der Sagenweg Winterwanderung

Der Winterwander-Rundweg umrundet die Alp Sellamatt via Mittelstofel (kurze Tour) respektive Thurtalerstofel (lange Tour), meist entlang der Langlaufloipe.

Beim Thurtalerstofel wird der höchste Punkt des Rundwegs erreicht, bevor es wieder zurückgeht. Von hier aus geniesst man eine grandiose Aussicht auf die Churfirsten, den Alpstein, Wildhauser Schafberg mit Altmann und den Säntis.

Gegen Westen hin bildet der Speer einen markanten Abschluss.

Der Blick reicht unterwegs weit ins Thurtal hinunter und über das Nebelmeer, das im Winter oft über dem Flachland liegt.

Alp Sellamatt mit den Churfirsten Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll, Brisi, Frümsel und Selun
Alp Sellamatt beim Zingge Pub mit den Churfirsten v.l. Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll, Brisi, Frümsel und Selun
Wanderwegweiser auf der Hochebene vor dem Säntis und Wildhauser Schafberg
Höchster Punkt: Wanderwegweiser Thurtalerstofel auf 1’551 m.ü.M. vor dem Säntis und Wildhauser Schafberg
Winterwanderung: Hütte am Sagenweg der Alp Sellamatt
Hütte am Sagenweg der Alp Sellamatt
Winterlicher Sagenweg auf der Alp Sellamatt mit Infotafel der nächsten Sage
Sagenweg mit Infotafel der nächsten Sage
Gipfelkreuz der Alp Sellamatt vor dem Altmann und Wildhauser Schafberg
Alp Sellamatt Gipfelkreuz vor dem Altmann und Wildhauser Schafberg
Speer von der Alp Sellamatt aus gesehen
Speer von der Alp Sellamatt aus gesehen

Das von Fichten gesäumte Hochplateau ist den Churfirsten auf halber Höhe zwischen Tal und Gipfel vorgelagert.

Die raue Karstlandschaft wird von zahlreichen Höhlen durchzogen, in denen sich einst das sagenumwobene Wildmannli versteckte.

Winterliche Fichten auf der Alp Sellamatt
Winterlicher Fichtenwald auf der Alp Sellamatt
Fichten am Sagenweg der Alp Sellamatt mit nächster Infotafel
Sagenweg der Alp Sellamatt mit nächster Infotafel
Winterwanderweg der Alp Sellamatt mit Panorama des Brisi, Frümsel und Selun
Winterwanderweg mit Panorama der Churfirsten Brisi, Frümsel und Selun
Winterlandschaft auf der Nordflanke der Churfirsten
Winterlandschaft vor dem Brisi
Katja auf der Winterwanderung unterhalb des Frümsel und der weiteren Churfirsten
Katja auf der Winterwanderung unterhalb des Frümsel
Winterwanderung: Tiefer Sonnenstand zwischen Zuestoll und Brisi
Tiefer Sonnenstand zwischen den Churfirsten Zuestoll und Brisi

Jetzt aber zu den Sagen. Bitte nur weiterlesen, wer abgehärtet ist und weiss, dass Märchen keine Albträume verursachen…

Sagenweg: Wandern von Sage zu Sage

Prinzipiell kann man den Sagenweg sowohl rechts, als auch links herum begehen. Die besser signalisierte Variante ist rechts herum, also in aufsteigender Nummerierung der Sagen. Der Weg führt in leichtem Auf und Ab durch kleine Fichtenwälder und über Alpwiesen.

Auf dem Wanderweg sind 12 illustrierte Sagen-Tafeln an Alphütten, Ställen oder Bäumen angebracht.

Aber Achtung: Die Sagen von Schätzen, Geistern, bösen Vögten und schönen Burgfrolleins sind nicht jedermanns Sache!

Gender-gerecht ist das auf keinen Fall und wie im Märchen geht es brutal zur Sache: Auf praktisch jeder Infotafel kommt jemand zu Tode!

Kinder fahren angeblich total darauf ab…

Die Illustrationen der Geister, Kobolde, roten Teufel oder der Hinrichtung mit der eigenen Axt erhöhen den Nervenkitzel.

Meine Güte!

Die 12 mehr oder weniger bekannten Toggenburger Sagen sind in stark gekürzten Fassungen aufgehängt. Das Buch mit den ausführlichen Sagen kaufen pflichtbewusste Eltern im Restaurant Sellamatt.

1. Sage: «Wie das Toggenburg entstand»

Gleich beim Bergrestaurant Sellamatt beginnt der Toggenburger Höhenweg mit der ersten Sage «Wie das Toggenburg entstand».

2. Sage: «Der Berggeist»

Schon nach rund 20 Minuten erreicht man die zweite Sage «Der Berggeist» auf dem Mittelstofel und nach weiteren 20 Minuten die dritte «Der versteinerte Drache» auf dem Schribersboden.

Diese Infotafel verpassen wir irgendwie 8-(

Sagenweg 2: Der Berggeist vom Säntis: Die Tränen der Tochter speisen die Säntisthur
Sage 2: Der unersättliche Berggeist vom Säntis: Die Tränen der verlorenen Töchter speisen noch heute die Säntisthur

4. Sage: «Das Fetzfräuli»

Leicht geschockt vom unersättlichen, abgrundtief hässlichen, bösen, uralten Geist vom Säntis wandern wir weiter zur vierten Sage, dem «Fetzfräuli» auf dem Thurtalerstofel.

Sagenweg 4: Nesa, das verarmte Fetzfräuli aus dem Fetzwald
Sage 4: Nesa, das eigenwillige, verarmte Fetzfräuli weist jungen Mädchen den Weg durch den finsteren Fetzwald

An dieser Stelle kann der Sagenweg erstmals abgekürzt werden, indem man direkt zur Sage acht «Die seltene Blume» weiterwandert. Diese liegt in Sichtweite und die Abkürzung ist ausgeschildert.

Bei Tiefschnee bleibt man aber wegen der versteckten Karstlöcher besser auf dem präparierten Winterwanderweg!

5. Sage: «Die Warnung»

Wer noch genügend Nerven hat und weitere Toggenburger Sagen aushält, folgt dem Weg in leichtem Auf und Ab weiter bis zur Sage fünf «Die Warnung» beim Steinhüttli, welche man nach knapp 25 Minuten erreicht.

Sagenweg 5: Die Warnung des schönen Schimmels.
Sage 5: Der Schimmel bezahlt die Rettung der schönen Barbara vor dem Taugenichts Salomo mit dem Leben und stürzt in ein Tobel. Zusammen mit einem leichtfertigen Mädchen, das dabei auch zu Tode kommt.

Das arme Pferd!

Nur kurz nach dieser Sage kann der Sagenweg ein zweites Mal abgekürzt werden, indem man direkt zur Sage sieben «Der letzte Vogt» wandert. Auch diese Abkürzung ist ausgeschildert.

Allerdings verpasst man dabei einen der Höhepunkte auf dem Sagenweg: Die Höhle Wildmannlisloch! Diese Höhle erreicht man in knapp 20 Minuten.

6. Sage: «Die wilden Mannli»

Dort befinden sich auch die Sage sechs «Die wilden Mannli» sowie der Grillplatz Wildmannlisloch der Schweizer Familie.

Sagenweg 6: Bergkobolde: die wilden Mannli und ihr Gold
Sage 6: Eine tapfere Hebamme hilft einer gebärenden Bergkoboldin und wird dafür von ihrem wilden Mannli mit Gold überschüttet

Erstmals stirbt hier niemand, sondern es kommt sogar jemand zur Welt! Meine Gemütslage erhellt sich wieder etwas.

Die Hälfte des Sagenwegs ist erreicht und wer eine Wurst dabei hat – und noch Hunger hat – legt hier die Mittagsrast ein. Und beruhigt so seine Nerven.

7. Sage: «Der letzte Vogt»

Nach der Rast beim Wildmannlisloch geht man rund eine Viertelstunde den gleichen Weg zurück und dann nochmals fünf Minuten weiter zur Breitenalp und Sage sieben «Der letzte Vogt von Starkenstein» .

Sagenweg 7: Der letzte Vogt von Starkenstein und sein Höllenhund
Sage 7: Der letzte Vogt von Starkenstein stirbt an einem Pfeil mitten ins Herz und sein schwarzer Höllenhund hinterher. Nur weil der grimmige Burgvogt eine hübsche Sennerin raubte.

8. Sage: «Die seltene Blume»

Die Sage acht «Die seltene Blume» findet man nur 15 Minuten später. Man muss sich also emotional recht schnell wieder stabilisieren.

Sagenweg 8: Schutz durch die seltene Blume von der Wildenburg
Sage 8: Schutz durch die seltene Blume vor den hässlichen Ungeheuern von der Wildenburg. Hier sterben nicht nur die Zwingherren, sondern leider auch der tapfere, aber etwas zu habgierige Soldat.

Schade um den tapferen Soldaten!

9. Sage: «Rettung am Berg»

Die Sage neun «Rettung am Berg» findet man kaum 10 Minuten später.

Sagenweg 9: Rettung am Berg von einem gewaltigen Schneesturm
Sage 9: Rettung am Berg vor einem gewaltigen Schneesturm. Leider muss diesmal Silvia dafür sterben.

Da hat das junge Paar aber nochmal Glück! Im Gegensatz zur armen Silvia.

Katja und ich schauen uns etwas verunsichert an, denn von Westen her ziehen recht dunkle Wolken auf. Oder spüre ich sogar eine erste Schneeflocke auf meiner Nase?

Schnell wandern wir weiter.

10. Sage: «Der Schatz am Gräppelensee»

In der Nähe auf der Langlitten folgt Sage zehn «Der Schatz vom Gräppelensee».

Sagenweg 10: Der Schatz vom Gräppelensee und der blutrote Teufel
Der Schatz vom Gräppelensee und der blutrote Teufel. Der Schatz liegt noch heute dort oben!

Diesmal kann die unschuldige Simone dem Schatz vom Gräppelensee widerstehen und der blutrote Teufel mit den Fledermausflügeln geht leer aus.

Der Schatz liegt also auch heute noch unter einem der grossen Steine! Eine Wanderung zum Gräppelensee (Link zu unserem sommerlichen Wandertipp) kann sich also lohnen…

11. Sage: «Die Herberge zum blutlosen Tobel»

Bis zur Hinterlücheren, wo man auf Sage elf «Die Herberge zum blutlosen Tobel» trifft, wandert man eine weitere Viertelstunde.

Sagenweg 11: Die Herberge vom blutlosen Tobel
Sage 11: Die Herberge vom blutlosen Tobel. Nachdem die Wirtin Gäste mit der Axt erschlägt, wird sie in Grabs mit der eigenen Axt hingerichtet!

Phuh, da hat das junge Mädchen aber nochmal Schwein! Im Gegensatz zum armen Silberhausierer.

12. Sage: «Idda von Toggenburg»

Danach geht es abwärts bis man nach knapp 15 Minuten auf die zwölfte und somit letzte Sage «Idda von Toggenburg» trifft.

Sagenweg 12: Idda von Toggenburg und ihr weisser Hirsch mit 12 Kerzen im Geweih
Sage 12: Die gutherzige Edelfrau Idda von Toggenburg geniesst (noch) die Aussicht von ihrer Burg in Gähwil

Die gutherzige Edelfrau entkommt dem Tod durch Fensterrauswurf durch ihren jähzornigen Grafen nur mit viel Glück. Seither widmet sie ihr Leben Gott und beim Gang zur Kirche erhellt ihr ein weisser Hirsch mit 12 Kerzen im Geweih den Weg.

Na. Immerhin kommt zum versöhnlichen Abschluss niemand mehr zu Tode. Oder nur fast.

Katja und ich sind erleichtert.

Von hier aus sind es nur noch knapp 10 Minuten bis zum Bergrestaurant Sellamatt, wo wir die Gondel-Sessel-Bahn zurück ins Tal nehmen.

Zwischen der Sage zwölf und dem Bergrestaurant liegt linkerhand die Feuerstelle Zinggen. Für die, deren Magen sich bisher zu stark umgedreht hatte…

Informationen und Preise

Sessel-Gondelbahn Alt St. Johann zur Alp Sellamatt
Ticket: Alt St. Johann – Alp Sellamatt retour ab CHF 12.- (Erwachsene mit HalbTax)

Toggenburg Bergbahnen AG
Dorfstrasse 14
9657 Unterwasser
Tel. +41 (0)71 998 68 10
Webseite: chaeserrugg.ch

SAC Hütte der Sektion Uzwil vor dem Frümsel
SAC Hütte der Sektion Uzwil vor dem Frümsel

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Walter Schärer ist leidenschaftlicher Vielreisender, Taucher, Golfer, Fotograf und Reiseblogger für reisememo.ch. Und Philosoph und Humorist und für Acryl auf Leinwand hat er auch eine Passion. Und über Gourmet-Restaurants schreibt er neuerdings auch noch... Walter ist Mitglied bei den Swiss Travel Communicators STC.

ProLitteris

1 Kommentar

  1. Rainer Kirmse , Altenburg am

    RÜTLISCHWUR UND HOCHKULTUR

    Das Urlaubsparadies Schweiz –
    Ein paar Verse übers Alpenland

    Wo einst Tell den Apfel geschossen,
    Dort leben sie, die Eidgenossen.
    Mächtige Berge, herrliche Seen,
    Die Städte und Dörfer wunderschön;
    Ein Land wo Milch und Honig fließen,
    Und sie feinste Schokoladen giessen.
    Von Basel und Genf bis hin nach Bern,
    Sauberkeit der Schweizer Markenkern.
    Nicht nur Käse und im Winter Schnee,
    Von hier kommt so manch gute Idee.
    Schmucke Uhren und Taschenmesser,
    Nirgendwo macht man diese besser.

    Wir kennen Heidi und DJ Bobo,
    Die Leute von Seldwyla ebenso.
    Das Land der Banken und Finanzen
    Blickt voller Stolz auf die Bilanzen.
    Man hält sich gerne aus allem raus,
    Neutralität bringt nicht nur Applaus.
    St. Moritz – Zermatt – Glacier Express,
    Die Schweiz genießen ganz ohne Stress.
    Jungfrau, Eiger, Mönch und Matterhorn,
    Das Oberland liegt bei Touristen vorn.
    Wir Deutschen lieben das Alpenland,
    Tschüss, auf wiederluege miteinand!

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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