Von Alt St. Johann auf die Alp Sellamatt am Fusse der Churfirsten – mit Panorama, Wandergrüppli und einem pensionierten Banker für die Bedienung in der Selbstbedienung. Nichts, das es nicht gibt…
Reisememo Wandertipp:
Churfirsten Panoramaweg auf der Alp Sellamatt im Toggenburg
- Distanz: ca. 8 km
- Dauer: ca. 2:15 h
- Auf- / Abstieg: 340 m
- Höchster Punkt: 1’610 m
- Schwierigkeit/Kondition: einfache Wanderung T1
- Anreise: Mit öV oder Auto nach Alt St. Johann, dann mit der Gondel- / Sesselbahn bis zur Alp Sellamatt
- Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober
Es gibt Wandertage, an denen stimmt einfach alles: Die Sonne scheint, die Berge stehen gestochen scharf am Horizont, die Wanderbegleitung ist erstklassig – und am Schluss wartet jemand, der einem das Essen serviert, obwohl er das eigentlich gar nicht müsste.
Ende Mai im Toggenburg. Sommerliche Temperaturen. Und die Churfirsten stehen da, als hätten sie eigens für uns eine Extraschicht Postkarten-Kulisse aufgebaut.
Wir – das sind Katja und ich sowie unsere langjährigen Wandergspänli Alex und Gabi – nennen unser kleines Grüppli liebevoll «Wandergrüppli». Das klingt zwar nach Dachverband des Schweizer Spaziergehens, beschreibt aber ganz treffend, was wir sind: vier Menschen, die gemeinsam wandern, schauen, staunen und hinterher mit gutem Gewissen essen gehen.
Mit der Kombi-Bahn hoch auf die Alp Sellamatt
Der Ausgangspunkt ist Alt St. Johann. Von dort bringt uns die Sessel-Gondelbahn im abwechslungsreichen Wechsel zwischen 4er-Sessel und 4er-Gondel hinauf auf die Alp Sellamatt auf 1’390 Meter über Meer.
Schon in der Gondel erahnst du, was dich erwartet: Die Churfirsten bauen sich vor dir auf wie eine Sieben-Mann-Boyband, von denen jeder einzeln ein Hit wäre.
Von links nach rechts: Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll, Brisi, Frümsel, Selun – und der Chäserrugg, der sich diskret hinter dem Hinterrugg versteckt, wie das ältere Geschwister, das nicht mit aufs Familienfoto will. Da hat der Band-Manager noch etwas Arbeit.
Oben angekommen: strahlend blauer Himmel, angenehme Wärme, und ein Panorama, das einen kurz vergessen lässt, dass man eigentlich auch einfach zuhause auf dem Balkon hätte sitzen können.
Der Churfirsten Panoramaweg – Wandern mit Dauerwerbeunterbrechung
Der Churfirsten Panoramaweg hält, was sein Name verspricht: Man hat die Churfirsten immer im Blick. Immer. Links, rechts, vor einem, hinter einem.
Man könnte fast meinen, die sieben Gipfel würden einem auf Schritt und Tritt folgen – was beim Wandern angenehmer ist als in anderen Lebenssituationen.
Auf der gegenüberliegenden Talseite sieht man den Säntis und den Wildhauser Schafberg – zwei weitere Schwergewichte der Toggenburger Bergwelt, die sich heute von ihrer besten Seite zeigen.
Die Sicht ist so klar, dass man glaubt, man könnte mit einem ordentlichen Steinwurf den Säntis treffen. (Kann man natürlich nicht. Aber man glaubt es kurz.)
Das Hochplateau der Alp Sellamatt ist eine jener Schweizer Landschaften, die man innerlich abhakt unter «unverdient schön»: Denn heute starten wir unsere Rundwanderung via Toggenburger Höhenweg mit seiner rauen Karstlandschaft, grünen Alpwiesen, Fichtenwäldern – und dazwischen immer wieder dieser Blick auf die Felswände der Churfirsten, die aus der Ebene emporragen wie sieben selbstbewusste Ausrufezeichen.
Alte Bekannte: Der Sagenweg grüsst
Ein Teil unserer Route führt uns über Wegstücke, die wir bereits kennen – vom Toggenburger Sagenweg auf der Alp Sellamatt. Den begingen Katja und ich damals im Winter auf Schneeschuhen. Und kehrten mit ordentlich Respekt vor Höllenhunden, bösen Vögten und blutlosen Tobeln zurück.
Im Sommer wirkt dasselbe Gelände erstaunlich harmlos. Kein Nebel, keine dunklen Wolken, keine Geister, keine diffuse Gänsehaut.
Einfach Alp, Sonne und Alpwiesen. Die Tafeln mit den schaurigen Sagen hängen noch immer an den gleichen Stellen – aber irgendwie verliert der «Vogt von Starkenstein» bei 25 Grad und strahlendem Sonnenschein seinen Schrecken. Fast schade.
Wer den Sagenweg noch nicht kennt: Der Tipp steht im Link oben oder hier unten. Winterlich, gfürchig, sehr empfehlenswert!
Markus S. und das höchstgelegene bediente Selbstbedienungsrestaurant
Nach ein paar Stunden auf dem Panoramaweg – die Beine zufrieden, die Augen von Schönheit übersättigt, der Magen vernehmbar untersättigt – kehren wir zurück zur Bergstation und beschliessen, vor der Talfahrt noch etwas zu essen.
Das Bergrestaurant Sellamatt ist ein Selbstbedienungsrestaurant. Eigentlich.
Denn dort hat Markus das Sagen. Er bedient, als gäbe es kein morgen. Und ob du willst oder nicht.
Markus ist pensionierter Banker. Und da ihm das Nichtstun nicht gut bekam – man kennt das Phänomen aus dem eigenen Bekanntenkreis: kaum im Ruhestand, schon wieder irgendwo im Einsatz – hilft er hier und da im Restaurant aus.
Es ist nicht viel los und so sind wir Markus‘ heutige Beschäftigungstherapie: Er nimmt unsere Bestellung auf (im Selbstbedienungsrestaurant!) und serviert uns Essen und Getränke mit der Gewandtheit eines Mannes, dem das Serviertablett so vertraut ist wie einst das Bilanzlesen.
Verduzt will ich wissen, ob das hier nicht Selbstbedienung sei? Mit breitem Grinsen meint er:
Ja, schon. Aber es ist auch das höchstgelegene bediente Selbstbedienungsrestaurant ;-)
Markus
Einen besseren Abschluss für einen Wandertag hätten wir uns nicht wünschen können.
Markus, falls Du das hier liest: Danke!
Du hast unseren Ausflug aufgewertet – der servierte Kaffee mit seiner raffinierten Schokolade kam in allerbester Private Banking Noblesse!
Praktische Infos: Churfirsten Panoramaweg ab Alp Sellamatt
Anreise: Mit der Sessel-Gondelbahn ab Alt St. Johann auf die Alp Sellamatt.
Betrieben von der Toggenburg Bergbahnen AG, Dorfstrasse 14, 9657 Unterwasser.
Beste Reisezeit: Frühsommer bis Herbst – Ende Mai ist wunderbar, die Wiesen leuchten grün, die Churfirsten stehen schneefrei und das Panorama lohnt jede Talfahrt.
Einkehr: Bergrestaurant Sellamatt – offiziell Selbstbedienung, inoffiziell unter Umständen mit persönlichem Service durch pensionierte Banker mit ausgezeichneter Laune.
Tipp für Wintergäste: Den Toggenburger Sagenweg gibt es auch als Winterwanderung – gfürchig, abwechslungsreich und mit deutlich mehr Atmosphäre bei hohem Schneestand.
