Der Herbst ist die perfekte Reisezeit für Spaniens Costa del Sol, aus offensichtlichen Gründen auch mal angeschrieben als „Costa del Golf“: Manchmal ist nicht mehr auszumachen, wo ein Golfplatz aufhört und der nächste anfängt…

Golfern und Liebhabern von kleinen und feinen Hotels sei folgende zweiwöchige Rundreise empfohlen:

Vom Sonntag, dem 30. September 2012, bis am Samstag, dem 13. Oktober 2012 führte uns das Navi durch zwar teils karge, aber trotzdem attraktive Landschaften Andalusiens im Süden Spaniens.

Windparks, hügelige und teilweise vielfarbige Steinwüsten sowie flache, fruchtbare Ebenen wechseln sich ab mit attraktiven Städten und deren historischer multi-kulti Vergangenheit.

Aber eins nach dem andern…

Andalusien-Reiseroute

Grössere Kartenansicht bei Google Maps

Vom Flughafen Málaga führte uns der Weg auf einer kurvigen, aber gut ausgebauten Autobahn dem Mittelmeer entlang nach Almería.

Überlandstrasse an der Küste bei Almerà­a, Südspanien

Von dort unternahmen wir einen Tagesausflug nach Cuevas de Almanzora und den im Wüstenstil angelegten Golfplatz Desert Springs. Dank pueblo-artiger Architektur und Kakteen jede Menge wähnt man sich schnell mal in der Wüste von Scottsville, Arizona, oder so ähnlich.

Danach ging es von Almerí­a zuerst durch karge Steinwüsten im Landesinnern und später an der, wie der Name sagt, verschneiten Sierra Nevada vorbei ins pulsierende Granada.

Berittene Polizei an der Ampel in Granada, Spanien

Die nächste Etappe führte in die Hacienda La Boticaria beim Städtchen Dos Hermanas südlich von Sevilla.

Sonnensegel in einer Gasse Sevillas

Südlich von Sevilla ging es der Costa da la Luz entlang ins verträumte Cádiz zum Mittagessen.

Männer sonntags auf der Treppe der Kathedrale in Cádiz

Nach dem „Cortado“, einer leckeren Art Espresso Macchiato suchten wir unseren weiteren Weg ins malerische Vejer de la Frontera.

Dawn in Vejer de la Frontera as seen from our hotel room terrace

Und nachdem bis hierher bereits ein Highlight das andere abgelöst hatte, liessen wir uns zur letzten Etappe in der Finca Cortesin bei Casares willkommen heissen. Was für ein Empfang!

Gartenbögen der Finca Cortesin in Andalusien, Spanien

Schöner wohnen in Boutique Hotels

Neben den berühmten aber manchmal etwas rustikalen Paradores bietet Andalusien auch zahlreiche kleine und feine Boutique Hotels. Wir haben uns entlang unserer Route für folgende Häuser entschieden:

Plaza Vieja Hotel & Lounge, Almeria

Der „alte Platz“ liegt tief versteckt in der verwinkelten Altstadt Almerias. Unser Navi hatte seine liebe Mühe, sich zwischen den engen Gassen zu orientieren. Nicht nur einmal kurvten wir um die zahlreichen Einbahnstrassen, den Autorückspiegel einklappend und um Zentimeter ringend.

Suite des Boutique-Hotels Plaza Vieja in Almeria

Hat man es aber einmal gefunden, ist die Plaza Vieja ein sehr ansprechender Platz mit einem Restaurant und dem gleichnamigen Boutique Hotel mit eigenem Hammam.

Hammam Pool des Hotels Plaza Vieja in Almeria

Hospes Palacio de los Patos, Granada

Katja-Birrer und Walter-Schärer im Hotel Paacio de los Patos in Grenada

Der auffällige Stadtpalast bietet neben dem herrschaftlichen Hauptgebäude auch einen modernen Anbau mit hellen Räumen, einem kleinen Spa und dem ausgezeichneten Restaurant.

Hotel Bar des Palacio de los Patos in Granada

Hotel V, Vejer de la Frontera

Inmitten des „weissen Dorfes“ Vejer de la Frontera befindet sich das Kleinod „Hotel V“. Und mit „inmitten“ meinen wir so kleine und verwinkelte Gassen, dass man das Hotel wirklich (!) nur zu Fuss erreicht. Und nein, das ist keine Übertreibung…

Aber das Anschleppen des Gepäcks über den steilen Kopfsteinplaster lohnt sich: Hotel V ist ein sehr geschmackvoll renoviertes Hotel mit „Wohnzimmer-Charakter“ in der Lounge, schönen Zimmern und einer aussergewöhnlichen Dachterrasse mit Bar, Liegen und einem Jacuzzi mit Aussicht.

 

Herrschaftlich residieren in Fincas und Haciendas

Auf dem Land wohnt man mit Romantik-Vorteil in Fincas oder Haciendas: Sie bieten eine grosszügige Infrastruktur und liegen manchmal in der Nähe eines Golfplatzes. Wie praktisch!

Hacienda La Boticaria

20 Autominuten südlich von Sevilla findet sich die von Eurostars betriebene Hacienda La Boticaria. Kurz nachdem Waldorf Astoria das 18-Hektaren Anwesen in ein Luxushotel ausgebaut und entsprechend u.a. ihre berühmten Serta-Matrazen herangeschafft hatte, verkauften sie die gesamte Infrastruktur bald weiter.

Hacienda la Boticaria Sevilla, Gebäude des Kutschenmuseums

Entweder hat damals bereits die Eurokrise eingesetzt oder die Pläne für den Golfplatz konnten nicht umgesetzt werden oder so ähnlich. Anyway, heute steht jedenfalls nur eine Driving-Range und eine riesige Anlage, die bevorzugt für Präsentationen von neuen Automodellen gebucht wird.

Aussenpool der Hacienda la Boticaria südlich von Sevilla

Bis zum königlichen Golfclub von Sevilla ist es allerdings nur ein Katzensprung.

Finca Cortesin

Das grosszügige Anwesen in der Nähe von Casares liegt etwas abseits der Landstrasse oberhalb der Küste. Bei der Vorfahrt sucht man die Parkplätze vergebens und verlässt sich dann halt auf das inbegriffene Valet-Parking. Daran könnte Mann sich noch gewöhnen…

Hotelschild "Finca Cortesin Hotel & Golf Club" neben der Hoteleinfahrt

Die Dekoration der Säle und Zimmer ist etwas konservativ und hat uns nicht auf Anhieb gefallen. Zusammen mit dem exzellenten Service, den Pools, Restaurants und dem Spa gefiel es uns allerdings stündlich besser, so dass wir nach drei Tagen das Hotel am liebsten nicht mehr verlassen hätten…

… denn nur schon das à -la-Carte Frühstück war eine Klasse für sich!

A-la-Carte Frühstück im Hof der Finca Cortesin

Schöner schwingen auf Golfplätzen der Superlative

Spanien hat ja jetzt nicht gerade eben wenig Golfplätze. Gemäss 1golf.eu sollen es 407 sein… Einige der besten und spektakulärsten reihen sich aber glücklicherweise in Andalusien aneinander:

Desert Springs Golfplatz

In der Nähe von Cuevas de Almanzora wähnt man sich eher in Arizona denn in Spanien: Der Golfplatz wird gesäumt von Pueblo-artigen Villen und schlängelt sich über eine Wüstenlandschaft mit Kakteen und Agaven.

Loch 1 des Desert Springs Golfplatzes bei Cuevas de Almanzora

Im Gegensatz dazu glänzen die Fairways in sattem Grün und man geht darauf wie auf Wolke Sieben. Solange man nicht in den Bunkern landet natürlich…

Walter Schärer beim Bunkerschlag in Desert Springs

 

Königlicher Golfplatz Club Real de Golf Sevilla

Südlich von Sevilla liegt ein fast flacher, schöner Golfplatz. Leider konnten wir nur die ersten 9 Löcher spielen, da die zweiten 9 gerade instandgestellt wurden. Wie es so üblich ist, meinten unsere local Flight-Partner, dass ihnen die andern 9 Löcher eigentlich besser gefallen…

Königlicher Golfplatz südlich von Sevilla

 

Golfplatz Mar y Pina in Novo Sancti Petri

Eine bei Schweizer Golfern sehr beliebte Destination ist Novo Sancti Petri. Das Klima ist hier an der Costa de la Luz sehr angenehm, entsprechend reiht sich ein Golfplatz an den andern. Und ein Golfhotel an das nächste.

Steg in der Nähe der Küste des Golfplatzes Mar y Pina in Novo Sancti Petri

Wir haben auf dem Mar y Pina Golfplatz eine sehr schöne Runde verbracht. Wie der Name sagt, spielt man einmal am Meer und dann wieder zwischen den Pinienbäumen.

Golfplatz Mar y Pina in Novo Sancti Petri

 

Golfplatz Benalup

Der Golfplatz von Benalup wäre am einfachsten über das dortige 5-Stern Fairplay Golf Hotel Spa Benalup-Casas zu erreichen. Aber wir konnten ja schlecht ALLE Hotels der Gegend testen und machten von Vejer aus den Tagesausflug.

Kleiner Teich des Benalupe Golfplatzes

Der 18-Loch Platz bettet sich sehr schön in die leicht hügelige Landschaft und bietet viele abwechslungsreiche Löcher. Die Driving-Range ist etwas abgelegen, so dass sich die Miete eines Golf-Carts aufdrängt.

Finca Cortesin

Obwohl die Finca ja bereits ein Hotel der Superlative ist und man es eigentlich erwarten könnte: Der Golfplatz haut einen um! Nach doch schon einigen Jahren Reise- und Golferfahrung auf fast allen Kontinenten dieses Planeten wählen wir Finca Cortesin in die Top-Liga. Nicht nur ist der Platz sanft in die Hügel am Mittelmeer eingebettet und damit landschaftlich hochattraktiv, einige der Löcher wie z.B. 13, 17 oder 18 sind umwerfend! Und damit tut man den andern Löcher grad unrecht, denn die sind kaum minder attraktiv, aber wir können ja schlecht alle 18 hervorheben…

Kein Wunder wurde hier in den letzten Jahren die Volvo World Match Play Meisterschaft ausgetragen.

Fairway-Bunker und Villa am Golfplatz "Finca Cortesin"

Aus allen Bahnen sticht trotzdem das „Signature Hole“ Loch-13 heraus. Der Anblick des Greens lässt Golferherzen schier aus der Fassung springen und sogar Nicht-Golfer erhöhen ihr Verständnis für das eigentümliche Spiel mit dem kleinen, weissen Ball…

Grün 13 mit Golffahne, Bäumen und Bunkern im Finca Cortesin Golfplatz

Und das Beste am Clubhaus (neben Super-Service, der Aussicht und den Flight-Partnern): Obwohl nicht in der „richtigen“ Gegend gelegen, sie führen Alhambra-Bier! Aber mehr davon später…

Sehenswürdigkeiten

Andalusien bietet eine Fülle an exklusiven Sehenswürdigkeiten, z.T. naturbedingt, z.T. kulturbedingt.

Almeria

Almeria ist keine touristisch interessante Stadt. Trotz (oder wegen?) der abwechslungsreichen Geschichte und dem guten Klima entstand „nur“ eine umtriebige Handelsstadt mit Industriehafen.

Wasserspiel beim Hafen von Almeria vor dem Sonnenuntergang

Wer sich trotzdem mal nach Almeria verirrt, sollte die Altstadt geniessen und am Hafen die kühne Holzkonstruktion der Ladestation für Schiffe besuchen.

Cargadero de mineral: Verladekonstruktion für Schiffe

Granada

Granada ist natürlich vor allem bekannt für die Alhambra. Und es lohnt sich tatsächlich, das architektonische Meisterwerk zu besichtigen. Nur sagen sich das auch noch hunderte anderer Touristen, so dass man UNBEDINGT vorgängig online reservieren sollte. Dafür umgeht man lange Warteschlangen und erhält eine Führung in einer Sprache nach Wahl. Auch die ist zu empfehlen, denn „man sieht, was man weiss“.

Granada-Alhambra Hof der Löwen

Daneben sind aber auch der Altstadt-Teil Albaicin und die Restaurant-Zone rund um die Plaza Romanilla oder Pescaderia sehr sehenswert.

Ziegeldächer des Altstadtquartiers Albaicin

Und wer NOCH mehr Restaurants zur Auswahl braucht, dem sei die Navas Strasse empfohlen. Das Nuevo Restaurante an Navas 25 hat es uns besonders angetan. Essen und Service waren impecable.

Sevilla

Sevilla ist Hauptstadt und das pulsierende Wirtschaftszentrum Andalusiens. Die Kathedrale mit dem weitherum sichtbaren Giralda-Turm sind der erste Anlaufpunkt für den Städtetrip.

Gotische Kathedrale von Sevilla

Wer nur schon ob der Besichtigung der weltweit (!) grössten gotischen Kathedrale ermüdet, dem sei gleich nebenan im EME Catedral Hotel ein Cortado auf der stylishen Dachterrasse empfohlen. Oder sonst auch ein paar Schritte weiter auf dem Metropol Paresol:

Metropol Paresol in Sevilla

Und wer eine Flamenco-Show besuchen will, so eine ohne den touristischen Firlefanz drumherum, dem empfiehlt Flamenco-Tänzerin Eveline Inauen die Casa de la Memoria an der Calle Ximenez Enrico 28. Man buche vorzeitig und sei eher zu früh dort…

Vejer de la Frontera

Das kleine, verträumte Pueblo Blanco hoch auf einem Berg hat es in sich. Den Mietwagen parkiert man mit Vorteil auf dem Parkplatz am Dorfeingang. „Mit Vorteil“ meint hier natürlich, dass man keine andere Wahl hat. Ausser man fährt einen verkratzten und verbeulten Cinquecento ohne seitliche Rückspiegel, der zudem auch noch im 90-Grad Winkel um engste Gassen fährt.

Morgengrauen über Vejer de la Frontera

Essen und Trinken

Das Wichtigste vorweg: Das beste Bier südlich der Alpen gibt es in der Gegend von Granada/Almeria! Mann bestelle sich genüsslich ein „Alhambra“ und achte auf den Caramel-artigen Abgang. Eine Wucht! Da trinkt sogar Frau mal ein Glas mit…

Tuna-, Jakobsmuschel-Tapas und Alhambra-Bier im Restaurant "La Rambla" in Almeria

Die höchste Dichte an guten Restaurants fanden wir in Vejer de la Frontera vor. Okay, sooo viel Auswahl gibt es in dem Dörfchen nicht, dafür ist die Qualität hervorragend.

Ein Wahnsinns-Highlight ist die Casa del Califa und sein Restaurant El Jardin del Califa. Das Menu ist natürlich nicht wahnsinnig spanisch sondern orientalisch, aber Essen, Stimmung und Bedienung sind top-top! Unbedingt vorher reservieren, da ungemein beliebt…

Garten des Restaurants El Jardin del Califa in Vejer de la Frontera

Auch top ist in Vejer de la Frontera das Restaurant El Central. Bei schönem Wetter, also immer, decken sie auf der öffentlichen Treppe vor dem Restaurant. Geboten wird ein perfekter Mix von sehen und gesehen werden und vor allem feinste Kulinarik! Unser Filet und der Pulpo schmeckten göttlich!

Restaurant El Central in Vejer de la Frontera mit Tischen auf öffentlicher Treppe

Auch gut gegessen haben wir jeweils in den Hotelrestaurants. Besonders herausgestochen ist diesbezüglich der Palacio de los Patos in Granada: Hier wird nicht nur optisch auf höchstem Niveau operiert, auch pro Gusto kam uns nichts mehr in den Sinn…

Bunuelos-de-bacalao-restaurant-palacio-de-los-patos-Granada

Ansonsten müssen wir zugeben, dass wir von den typisch spanischen Restaurants mehrfach enttäuscht wurden, obwohl wir so vermeintlich „einfache“ Dinge bestellten wie gebratenen Tuna. Das Essen wird oft eher fettig zubereitet und schmeckte uns in wiederholten Fällen nicht. Das ist uns in Italien, z.B. in Apulien oder Sizilien nie so widerfahren.

Flug mit Swiss und Mietwagen von Europcar

Total kamen knapp über 1’500 Kilometer Landweg zusammen, die der Opel Insignia von Europcar mit einem Mittel von 5.3 Litern pro 100 Kilometer anstandslos und bequem bewältigte. Gemäss Schlussabrechnung soll das einen CO2-Ausstoss von 175kg bedeutet haben.

Walter Schärer mit dem Opel Insignia Mietwagen vor dem Golfhotel Benalupe

Von Swiss gab es zwar keine entsprechende CO2-Auswertung, gemäss Auswertungen von airberlin und einer Luftlinie Zürich-Malaga von 1’600 Kilometern könnten da nochmal 600kg dazugekommen sein.

Wie das klimamässig zu neutralisieren ist, ergründen wir dann bei anderer Gelegenheit in einem weiteren Blog-Artikel. Denn vorerst scheint die EU den Handel mit CO2-Zertifikaten aussetzen zu wollen…

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Über unsere Reiseblogger

Walter Schärer ist leidenschaftlicher Vielreisender, Taucher, Golfer, Fotograf und Reiseblogger für reisememo.ch. Und Philosoph und Humorist und für Acryl auf Leinwand hat er auch eine Passion. Und über Gourmet-Restaurants schreibt er neuerdings auch noch... Walter ist Mitglied im Swiss Travelwriters Club.

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